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Quitt: „Klischees machen vor dem Sparschwein halt – die Teilzeitfalle aber nicht.“

07.03.2014

  • Teilzeitarbeit: Vorsorge leidet unter Einkommensschere
  • In 3 von 4 Partnerschaften ist der Mann der Hauptverdiener
  • Finanzministerin im eigenen Heim: 2 von 5 Frauen verwalten das Haushaltsbudget

Drei Viertel aller Österreicherinnen und Österreicher leben in einer Partnerschaft. Geld ist dabei manchmal ein heikles Thema. Karenzzeiten und Teilzeitarbeit sind bei Frauen für so manche finanzielle Einbuße verantwortlich. Die Erste Bank präsentiert dazu eine repräsentative IMAS-Studie.

Von der Teilzeitfalle in die Vorsorgelücke
Die Einkommensschere zwischen den Geschlechtern ist weiterhin groß: Laut Statistik Austria verdienen Frauen rund 40 % weniger, das lässt sich vor allem auf die weitverbreiteten Teilzeitanstellungen zurückführen. Während in Österreich beinahe jede zweite berufstätige Frau Teilzeit arbeitet, ist es nur knapp jeder zehnte Mann. Das spiegelt sich auch in der Vorsorge wider: Durchschnittlich legt Frau Österreicher monatlich 158 Euro bei Seite. Herr Österreicher kann rund 205 Euro pro Monat in den Sparstrumpf stecken. Übers Jahr gerechnet sind das mehr als 560 Euro Differenz, die eindeutig aus den Einkommensunterschieden resultiert. Frauen wie Männer legen darüber hinaus rund 40 % vom gesamten Sparbetrag für die Familie beiseite: Fürs eigene Sparschwein bleibt also Netto bei Männern rund 127 Euro, das der Frauen bleibt mit 100 Euro wesentlich schlanker. Spätestens im Alter macht sich eine minimale Vorsorge bei den Pensionszahlungen bemerkbar, davon sind die ÖsterreicherInnen überzeugt: Ob eine Teilzeitanstellung große Einbußen für die Altersvorsorge bedeutet, beantworten 9 von 10 ÖsterreicherInnen mit Ja.

Karenzzeit lässt finanziellen Polster schrumpfen
Bei Karenzzeiten zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. 8 von 10 Befragten geben an, dass eine berufliche Auszeit von mehr als zwei Jahren negative Auswirkungen auf die Karriere und damit einhergehend auf das Gehalt hat. Zwei Drittel der Männer und auch der Frauen sehen dadurch die finanzielle Vorsorge schrumpfen. „Lassen Sie ihre Finanzen regelmäßig überprüfen, nur so können Sie sich auf alles einstellen und rechtzeitig vorsorgen“, appelliert Birte Quitt, Vertriebsleiterin der Erste Bank. Positiv ist, dass das Bewusstsein rechtzeitig für die Karenzzeit vorzusorgen, bereits in den Köpfen der ÖsterreicherInnen vorhanden ist. Denn laut den aktuellen Umfrage-Ergebnissen erachten das 8 von 10 Personen als wichtig. Bei Frauen, die davon stärker betroffen sind, sind es sogar 9 von 10. „Besonders Frauen sollten früh mit ihrer Vorsorge beginnen. Idealerweise gleich mit dem ersten Gehalt“, rät Quitt, denn selbst wer anfangs nur kleine Beträge auf die Seite legen kann, vermehrt effektiver und kann am Zinseszinseffekt mitnaschen. Wer beispielsweise mit 20 beginnt, monatlich 50 Euro auf die Seite zu legen, hat mit 30 bei einem Zinssatz von durchschnittlich 2 % bereits 6473 Euro gespart.

In 3 von 4 Beziehungen ist der Mann Hauptverdiener
59 % jener Österreicherinnen und Österreicher, die in einer Beziehung leben, haben streng getrennte Konten. Jedes fünfte Paar verwaltet die gemeinsamen Kosten über ein Gemeinschaftskonto und führt zusätzlich getrennte Konten. Ebenso viele besitzen nur ein Gemeinschaftskonto. „Am wichtigsten ist, dass man die allfälligen Kosten bespricht und alle Karten offen auf den Tisch legt“, erklärt Quitt. „In jedem Fall ist das notwendig, wenn es einen Hauptverdiener gibt.“ Und das ist besonders oft bei Frauen der Fall: Drei Viertel der in einer Partnerschaft lebenden Österreicherinnen geben an, nicht die Hauptverdienerin zu sein. Darüber hinaus sagen davon 81 %, sie können ohne ihren Partner den jetzigen Lebensstandard nicht aufrechterhalten. Quitt: „Im schlimmsten Fall kann es also zu bösen Überraschungen kommen, wenn man nicht über alle finanziellen Einzelheiten in der Familie Bescheid weiß.“

„Strenge Rechnung – gute Freunde“…
…so heißt das Sprichwort. Doch wer hat überhaupt den Überblick über die Rechnung? In 2 von 5 Partnerschaften tragen die Frauen die Verantwortung über die Finanzen im Haushalt und verwalten die gemeinsamen Einnahmen und Kosten. Ebenso viele teilen sich die Verantwortung mit ihrem Partner. „Nur jede Zehnte überlässt es dem Mann, die partnerschaftlichen Finanzen zu verwalten. Das ist ein sehr guter Schnitt. Denn jeder sollte wissen, wie viel Geld wird im Monat verbraucht und wie viel liegt  für Notfälle eigentlich auf der Seite“, ist Quitt überzeugt. Wird über die gemeinsamen Ausgaben entschieden, sprechen sich die Österreicherinnen grundsätzlich mit dem Partner ab: Gut zwei Drittel entscheiden mit dem Partner zusammen. 15 % der Frauen beschließen auch unabhängig über die partnerschaftlichen Finanzen und immerhin 6 % überlassen die Entscheidungen ganz dem Partner. „Frauen sind vielfach unabhängig, sei es bei der Karriere oder der Familie. So muss es auch bei den Finanzen sein“, so Quitt. Und wie sehen Frauen das Klischee, Finanzen wären Männersache? Nur jede fünfte Österreicherin ordnet das Thema Geld in den männlichen Kompetenzbereich ein. Gut doppelt so viele (39 %) sind der Meinung, dass Finanzen Frauensache sind. 45 % sagen weder noch. „Klischees  machen vor dem Sparschwein halt – die Teilzeitfalle aber nicht“, warnt Quitt.

Für die Kinder sparen ist Frauensache
9 von 10 ÖsterreicherInnen sparen für sich selbst. Frauen legen häufiger Geld für Kinder (61 %) und Enkel- oder Patenkinder (26 %) beiseite. Männer sorgen häufiger für die Partnerin vor (49 %). „Das ist gut. Falls ihr Mann der Alleinverdiener im Haushalt ist, sprechen sie ihn an, auch ihren Sparstrumpf zu füllen“, rät Quitt. Sparmotiv Nummer eins ist für die Frau die Vorsorge für die Zukunft (36 %). Die Wohnraumschaffung oder Wohnraumerhaltung liegt an zweiter Stelle (28 %), danach folgt der Notgroschen (26 %). Sparen für die Kinder schließt bei den Frauen mit 23 % knapp auf die Top 3 Spargründe auf. Bei den Männern zeigt sich in der Reihung der ersten drei Spargründe kein signifikanter Unterschied. Platz vier wird allerdings vom Spargrund „Auto“ mit 15 % belegt. Die Kinder kommen mit 11 % erst an fünfter Stelle.

Herr und Frau Österreicher sind sicherheitsbewusste Anleger 
Traditionell setzen die österreichischen BürgerInnen bei ihren Finanzanlagen auf Sicherheit. Rund 8 von 10 der Frauen und Männer besitzen ein Sparbuch, jeweils 69 % haben einen Bausparer. Mehr Männer setzen auf Lebensversicherungen und investieren stärker als Frauen in Immobilien und Gold. Aktien, Anleihen und Fonds besitzen 26 % der Frauen und 31 % der Männer. Als beliebtester Ansprechpartner in Geld- und Finanzangelegenheiten gilt bei drei Viertel der Frauen der Bankberater. 6 von 10 Österreicherinnen holen sich Rat beim Partner, jede zweite bei anderen Familienmitgliedern. Ebenfalls 3 von 4 Männern sehen ihren Bankbetreuer als erste Anlaufstelle, jeder Zweite seine Partnerin und 46 % informieren sich bei anderen Familienmitgliedern.

Tipps für den Vorsorge-Polster der Frau

- Je früher, desto ertragreicher: Gerade Frauen können laut der Studie nicht so viel wie Männer bei Seite legen. Daher zahlt es sich aus, am Zinseszinseffekt mit zu naschen und so früh wie möglich – auch wenn es anfangs nur kleine Beträge sind – Geld zu sparen. Über die Jahre kann so ein beachtlicher Polster angespart werden.

- Die Vorsorge sollte auf drei Stufen aufbauen: kurz-, mittel- und langfristig. Es sollten rund drei Monatsgehälter für Notfälle frei verfügbar sein. Mittelfristige Anlagen, wie beispielsweise ein Bausparer, eignen sich für später geplante Investitionen in ein Auto oder in die Wohnung. Für die Selbständigkeit im Alter eignet sich eine private Pensionsvorsorge.

- Die finanzielle Unabhängigkeit steht nicht im Widerspruch zu einer guten Partnerschaft und hat nichts mit Misstrauen zu tun. Vom täglichen Finanz-Leben bis hin zur Vorsorge im Alter sollten beide Partner voneinander unabhängig sein.

- Richtig vorsorgen heißt auch, über die finanzielle Situation Bescheid zu wissen. Besonders wenn mit dem Partner die Finanzen geteilt werden, ist es wichtig die Karten auf den Tisch zu legen und offen über alle Einnahmen und Ausgaben zu sprechen.