Investoreninformationen 2026
30.04.2026 - Erste Group: Ergebnis 1. Quartal 2026
Erste Group erwirtschaftet im ersten Quartal 2026 einen Nettogewinn von EUR 879 Mio
GuV-Zahlen: 1-3 2026 verglichen mit 1-3 2025,
Bilanzzahlen: 31. März 2026 verglichen mit 31. Dezember 2025
Die erstmalige Einbeziehung der Erste Bank Polska führte zu signifikanten Veränderungen zahlreicher Positionen.
Der Zinsüberschuss stieg auf EUR 2.674 Mio (+42,8%; EUR 1.872 Mio). Anstiege gab es insbesondere in der Slowakei, Tschechien und Ungarn aufgrund von Kreditwachstum und der geringeren Zinsaufwendungen für Kundeneinlagen, Letztere insbesondere in Österreich. Zusätzlich leistete Polen einen wesentlichen Beitrag von EUR 681 Mio. Der Provisionsüberschuss erhöhte sich in fast allen Kernmärkten und Provisionskategorien auf EUR 965 Mio (+23,7%; EUR 780 Mio), davon entfielen auf Polen EUR 128 Mio. Das Handelsergebnis erhöhte sich auf EUR 161 Mio (EUR 47 Mio), die Position Gewinne/Verluste aus Finanzinstrumenten, erfolgswirksam zum Fair Value bilanziert auf EUR 68 Mio (EUR 50 Mio). Die Entwicklung beider Positionen war hauptsächlich auf Bewertungseffekte zurückzuführen. Die Betriebserträge stiegen auf EUR 3.939 Mio (+40,5%; EUR 2.802 Mio), der Anteil von Polen belief sich auf EUR 901 Mio. Der Verwaltungsaufwand erhöhte sich auf EUR 1.771 Mio (+31,7%; EUR 1.345 Mio), davon entfielen EUR 359 Mio auf Polen. Insgesamt wurden im ersten Quartal Integrationskosten von EUR 30 Mio verbucht. Die Personalaufwendungen stiegen auf EUR 974 Mio (+22,7%; EUR 794 Mio). Dies ist vor allem auf die Konsolidierung des Teilkonzerns Polen (EUR 138 Mio) sowie auf kollektivvertragliche Gehaltserhöhungen zurückzuführen. Die Sachaufwendungen stiegen auf EUR 556 Mio (+34,1%; EUR 414 Mio), davon entfielen auf Polen EUR 125 Mio. Während sich die in den Sachaufwendungen verbuchten Beiträge in Einlagensicherungssysteme – für 2026 bereits fast gänzlich verbucht – auf EUR 48 Mio (EUR 54 Mio) verringerten, stiegen die IT-Aufwendungen insbesondere aufgrund der Einbeziehung von Polen (EUR 58 Mio) auf EUR 244 Mio (EUR 166 Mio). Die Abschreibungen beliefen sich auf EUR 241 Mio (+77,6%; EUR 136 Mio), der Anteil von Polen belief sich auf EUR 96 Mio. Insgesamt erhöhte sich das Betriebsergebnis auf EUR 2.167 Mio (+48,7%; EUR 1.458 Mio), die Kosten-Ertrags-Relation verbesserte sich auf 45,0% (48,0%).
Das Ergebnis aus Wertminderungen von Finanzinstrumenten betrug EUR -439 Mio bzw. 68 Basispunkte des durchschnittlichen Bruttokundenkreditbestands (EUR -85 Mio bzw. 15 Basispunkte). Der Anstieg war wesentlich durch Dotierungen von Wertberichtigungen für Kredite und Darlehen im Rahmen der Vorschriften des IFRS 9 für die erstmalige Einbeziehung des polnischen Portfolios bedingt (EUR 302 Mio bzw. 47 Basispunkte). Die NPL-Quote bezogen auf Bruttokundenkredite blieb mit 2,4% (2,4%) stabil. Die NPL-Deckungsquote (ohne Sicherheiten) belief sich auf 67,9% (69,7%).
Der sonstige betriebliche Erfolg belief sich auf EUR -194 Mio (EUR -184 Mio). Die bereits für das gesamte Jahr 2026 erfassten Aufwendungen für jährliche Beitragszahlungen in Abwicklungsfonds verringerten sich auf EUR 13 Mio (EUR 15 Mio). Die Bankenabgaben – derzeit in fünf Kernmärkten zu entrichten – stiegen hingegen an. Im sonstigen betrieblichen Erfolg wurden EUR 251 Mio (EUR 121 Mio) erfasst, davon entfielen EUR 152 Mio (EUR 78 Mio) auf Ungarn (davon EUR 120 Mio Bankensteuer für das gesamte Jahr 2026) und EUR 50 Mio auf Polen. Die Bankensteuer in Österreich belief sich auf EUR 32 Mio (EUR 34 Mio), in Rumänien auf EUR 16 Mio (EUR 10 Mio). Die Bankensteuer in der Slowakei von EUR 16 Mio (EUR 15 Mio) wird in der Position Steuern vom Einkommen verbucht.
Die Steuern vom Einkommen beliefen sich auf EUR 376 Mio (EUR 242 Mio). Das den nicht beherrschenden Anteilen zuzurechnende Periodenergebnis erhöhte sich infolge höherer Ergebnisbeiträge der Sparkassen sowie der Einbeziehung des Segments Polen (EUR 17 Mio) auf EUR 279 Mio (EUR 197 Mio). Das den Eigentümern des Mutterunternehmens zuzurechnende Periodenergebnis stieg auf EUR 879 Mio (+18,2%; EUR 743 Mio).
Das um AT1-Kapital bereinigte gesamte Eigenkapital erhöhte sich auf EUR 36,8 Mrd (EUR 31,2 Mrd). Nach Vornahme der in der Eigenkapitalverordnung (CRR) festgelegten Abzugsposten und Filter reduzierte sich das Harte Kernkapital (CET1) auf EUR 26,5 Mrd (EUR 28,5 Mrd). Die gesamten regulatorischen Eigenmittel lagen bei EUR 35,8 Mrd (EUR 36,5 Mrd). Der Zwischengewinn des ersten Quartals wurde dabei nicht berücksichtigt. Das Gesamtrisiko (die risikogewichteten Aktiva), das Kredit-, Markt- und operationelles Risiko inkludiert, stieg auf EUR 183,2 Mrd (EUR 147,5 Mrd), was im Wesentlichen auf die Einbeziehung der Erste Bank Polska zurückzuführen ist. Die Harte Kernkapitalquote (CET1-Quote) sank auf 14,5% (19,3%), die Gesamtkapitalquote auf 19,5% (24,8%). Die Erstkonsolidierung der Erste Bank Polska wirkte sich mit 455 Basispunkten negativ auf die CET1-Quote aus.
Die Bilanzsumme stieg auf EUR 450,0 Mrd (+22,1%; EUR 368,6 Mrd). Auf der Aktivseite verringerten sich Kassenbestand und Guthaben auf EUR 26,8 Mrd (EUR 27,6 Mrd), Kredite an Banken stiegen auf EUR 26,4 Mrd (EUR 20,8 Mrd). Die Kundenkredite stiegen auf EUR 275,6 Mrd (+18,8%; EUR 232,0 Mrd), insbesondere durch das polnische Portfolio in der Höhe von EUR 40,1 Mrd. In den anderen Kernmärkten wurden vor allem in Österreich und Tschechien Anstiege verzeichnet. Passivseitig stiegen die Einlagen von Kreditinstituten auf EUR 19,7 Mrd (EUR 16,9 Mrd), die Kundeneinlagen auf EUR 314,8 Mrd (+24,4%; EUR 253,0 Mrd). Wesentlich für den Anstieg waren neben der erstmaligen Konsolidierung von Polen (EUR 53,8 Mrd) auch Anstiege von Firmenkundeneinlagen in Österreich und Tschechien. Das Kredit-Einlagen-Verhältnis belief sich auf 87,6% (91,7%).
AUSBLICK
Für 2026 hat sich die Erste Group das Ziel gesetzt, eine Eigenkapitalverzinsung (ROTE) von circa 19% zu erwirtschaften und den Gewinn je Aktie um mehr als 20% zu steigern. Dazu wird der um Einmaleffekte bereinigte Nettogewinn 2025 mit dem Nettogewinn 2026 verglichen, der ebenfalls um außerordentliche Posten im Zusammenhang mit dem Erwerb und der Erstkonsolidierung der Erste Bank Polska bereinigt wurde. Diese Zielsetzung beruht auf folgenden Prämissen: Zunächst wird erwartet, dass sich das Geschäft der Erste Group in ihren zum Jahresende 2025 bestehenden sieben Kernmärkten (Österreich, Tschechien, Slowakei, Rumänien, Ungarn, Kroatien und Serbien) gut entwickeln wird, gestützt durch ein verbessertes makroökonomisches Umfeld, weitgehend stabile Zinsen, insbesondere in der Eurozone, stabile Margen und gesundes Wachstum des Kreditvolumens von mehr als 5%. Die Geschäftsentwicklung gemessen am Betriebsergebnis (Betriebserträge minus Betriebsaufwendungen) sollte sich gegenüber dem Vorjahr verbessern, da der Zinsüberschuss um etwa 5% steigen sollte, der Provisionsüberschuss um mehr als 5% weiterwachsen sollte, das Handels- und Fair Value-Ergebnis einen ähnlichen Beitrag wie 2025 leistet und die Betriebsaufwendungen um etwa 3% steigen. Damit sollte sich die Kosten-Ertrags-Relation von 48% im Jahr 2025 auf rund 47% im Jahr 2026 verbessern. Der sonstige betriebliche Erfolg wird sich nach einigen im Jahr 2025 verzeichneten positiven Einmaleffekten in Höhe von EUR 270 Mio voraussichtlich normalisieren und eher wie die auch in diesem Posten verbuchten Bankenabgaben entwickeln. Die Risikokosten sollten mit 20 bis 25 Basispunkten auf einem ähnlich günstigen Niveau liegen wie 2025.
Weiters sind außerordentliche Effekte aufgrund der Vollkonsolidierung der Erste Bank Polska vor allem im Zinsüberschuss, bei Betriebsaufwendungen und Risikokosten zu erwarten. Der Zinsüberschuss wird in Höhe von rund EUR 170 Mio (dies entspricht einem Effekt auf den Nettogewinn von rund EUR -60 Mio) negativ beeinflusst, was auf die Amortisierung von Fair Value-Anpassungen bei Schuldverschreibungen und Derivaten im Zuge der Kaufpreisallokation zurückzuführen ist. Darüber hinaus wird der auf den Kaufpreis im Jahr 2025 erlöste Zinsertrag 2026 wegfallen. Die Betriebsaufwendungen werden durch Abschreibung von immateriellen Vermögenswerten (Kundenstock und Marke) und Verbuchung von Integrationskosten belastet werden. Der Kundenstock wird über 10 Jahre um jährlich rund EUR 210 Mio abgeschrieben werden (Auswirkung auf Nettogewinn rund EUR -70 Mio), während die Marke nach dem Rebranding zur Gänze 2026 abgeschrieben wird (EUR 30 Mio brutto bzw. EUR ~10 Mio netto). Prognostiziert werden weiters Integrationskosten von bis zu EUR 180 Mio brutto in 2026. Der entsprechende Nettoeffekt wird von der erst festzulegenden Kostenaufteilung zwischen der Muttergesellschaft und der lokalen Bank abhängig sein. In den Risikokosten schlägt sich eine Belastung von EUR 302 Mio nieder (Effekt auf Nettogewinn circa EUR -120 Mio), da im Zuge der Erstkonsolidierung gemäß IFRS 9 Wertberichtigungen für das gesamte erworbene Portfolio gebildet werden mussten. Diese Belastung ist kein Hinweis auf eine Verschlechterung der Portfolioqualität.
Schlussendlich erwartet die Erste Group mit aktuell acht Kernmärkten, also unter Berücksichtigung des organischen Wachstums sowie des Beitrags der Erste Bank Polska, einschließlich außerordentlicher Effekte aus der Erstkonsolidierung, 2026 insgesamt einen Zinsüberschuss von mehr als EUR 11 Mrd, einen Provisionsüberschuss von etwa EUR 4 Mrd und Betriebsaufwendungen von circa EUR 7 Mrd. Damit sollte sich die Kosten-Ertrags-Relation auf etwa 45% verbessern. Die Risikokosten werden im Bereich von 25 bis 30 Basispunkten der durchschnittlichen Bruttokundenkredite erwartet, da Risikokosten in Polen eher etwas höher liegen als in anderen CEE-Märkten. Diese Prognose ist um die oben genannte einmalige Vorsorge für erwartete Kreditverluste in Höhe von EUR 302 Mio bereinigt. Der ausgewiesene Nettogewinn der Erste Group wird mit etwas unter EUR 4 Mrd prognostiziert, der um außerordentliche Posten im Zusammenhang mit der Erstkonsolidierung von Erste Bank Polska bereinigte Nettogewinn wird bei etwas über EUR 4 Mrd erwartet.
Es wird erwartet, dass die CET1-Quote 2026 entsprechend der prognostizierten starken Gewinnentwicklung wieder ansteigt und damit wieder Flexibilität hinsichtlich Ausschüttungen beziehungsweise M&A-Transaktionen nach sich ziehen sollte.
Zu potenziellen Risiken für die Prognose zählen (geo-)politische und volkswirtschaftliche Entwicklungen (etwa auch Auswirkungen von Geld- und Fiskalpolitik), regulatorische Maßnahmen sowie Veränderungen im Wettbewerbsumfeld. Die aktuellen internationalen (militärischen) Konflikte haben keine direkten Auswirkungen auf die Erste Group, da diese nicht in den betroffenen Regionen tätig ist. Indirekte Effekte, wie etwa Volatilität an den Finanzmärkten, Auswirkungen von Sanktionen, Unterbrechungen der Lieferketten oder Eintritt von Einlagensicherungs- oder Abwicklungsfällen, können jedoch nicht ausgeschlossen werden. Die Erste Group ist zudem nichtfinanziellen und rechtlichen Risiken ausgesetzt, die unabhängig vom wirtschaftlichen Umfeld schlagend werden können. Eine schlechter als erwartete Wirtschaftsentwicklung kann auch eine Goodwill-Abschreibung erforderlich machen.