28.02.2017

Erste Group Ergebnis 2016: EUR 1,26 Mrd Nettogewinn

EUR 4,8 Mrd Neukreditvolumen; Kernkapitalquote bei 13,4%; Dividende von EUR 1 pro Aktie

“Die Erste Group konnte im abgelaufenen Jahr die besten Ergebnisse ihrer Geschichte verzeichnen. Aufgrund des Rückgangs der Risikokosten, die aus einer Verbesserung der Portfolioqualität und einer unter fünf Prozent gesunkenen NPL-Quote resultierten, erzielten wir einen Nettogewinn in Höhe von 1,26 Milliarden Euro. Die Betriebserträge waren aufgrund des Niedrigzinsumfelds leicht rückläufig, während die Betriebsaufwendungen insbesondere wegen verstärkter Investitionen in IT und die Digitalisierung anstiegen. Während sich das Kreditwachstum mit einem Nettoneukreditvolumen von nahezu fünf Milliarden Euro 2016 ordentlich entwickelte, erhöhten sich die Kundeneinlagen – im Privat- und Firmenkundengeschäft zusammen – um mehr als zehn Milliarden Euro. Dieser Zufluss an Spareinlagen ist ein starker Vertrauensbeweis für unsere Gruppe, zeigt aber auch einmal mehr, dass das Niedrigzinsumfeld allein noch nicht zu Investitionen ermutigt.

Da das Wirtschaftswachstum in der CEE-Region weiterhin über dem Durchschnitt der Eurozone lag, entwickelten sich alle unsere Tochterbanken positiv und leisteten einen Beitrag zum guten Ergebnis der Gruppe. Damit konnten wir seit dem Ausbruch der globalen Finanzkrise unsere Kapitalisierung mehr als verdoppeln und unsere harte Kernkapitalquote gemäß Basel 3 phased-in zum Jahresende auf 13,4 Prozent steigern. Angesichts dieser guten Resultate werden wir vorschlagen, an unsere Aktionäre eine Dividende von einem Euro je Aktie auszuschütten.

Im Jahr 2017 und darüber hinaus werden wir mit unseren Investitionen – und Datenmanagement – insbesondere danach streben, unsere Kunden und ihre individuellen Umstände besser zu verstehen und Bankdienstleistungen zu erbringen, die auf unsere Kunden persönlich zugeschnitten und für diese relevant sind," erklärte Andreas Treichl, CEO der Erste Group Bank AG.
 

Highlights

GuV-Zahlen: 2016 verglichen mit 2015, Bilanzzahlen: 31. Dezember 2016 verglichen mit 31. Dezember 2015

Der Zinsüberschuss ging – im Wesentlichen bedingt durch das anhaltend niedrige Marktzinsniveau und den umfassenden NPL-Abbau – auf EUR 4.374,5 Mio (-1,6%; EUR 4.444,7 Mio) zurück. Das Kreditwachstum konnte die Entwicklung nicht vollständig kompensieren. Der Provisionsüberschuss sank auf EUR 1.783,0 Mio (-4,2%; EUR 1.861,8 Mio). Rückgänge gab es sowohl bei den Erträgen aus dem Kreditgeschäft und den Zahlungsverkehrsdienstleistungen als auch bei den Erträgen aus dem Wertpapiergeschäft. Das Handels- und Fair Value-Ergebnis stieg auf EUR 272,3 Mio (+29,6%; EUR 210,1 Mio). Die Betriebserträge gingen damit auf EUR 6.691,2 Mio (-1,2%; EUR 6.771,8 Mio) zurück. Der Verwaltungsaufwand stieg auf EUR 4.028,2 Mio (+4,1%; EUR 3.868,9 Mio), insbesondere bedingt durch höhere IT- und Beratungskosten sowie höhere Personalaufwendungen von EUR 2.339,3 Mio (+4,2%; EUR 2.244,6 Mio). Daraus resultierte ein Rückgang im Betriebsergebnis auf EUR 2.663,0 Mio (-8,3%; EUR 2.902,9 Mio). Die Kosten-Ertrags-Relation belief sich auf 60,2% (57,1%). Im Ergebnis aus finanziellen Vermögenswerten und Verbindlichkeiten, nicht erfolgswirksam zum Fair Value bilanziert (netto), ist ein im zweiten Quartal verbuchter Gewinn aus dem Verkauf der Anteile an VISA Europe in Höhe von EUR 138,7 Mio erfasst.

Die Wertberichtigungen für finanzielle Vermögenswerte (netto) sanken deutlich auf EUR 195,7 Mio bzw. 15 Basispunkte des durchschnittlichen Bruttokundenkreditbestands (-73,2%; EUR 729,1 Mio bzw. 56 Basispunkte), bedingt durch den signifikanten Rückgang von notleidenden Krediten und höhere Erträge aus Eingängen abgeschriebener Forderungen in Rumänien und Ungarn. Die NPL-Quote verbesserte sich wesentlich auf 4,9% (7,1%). Die NPL-Deckungsquote stieg deutlich auf 69,1% (64,5%).

Der sonstige betriebliche Erfolg belief sich auf EUR -665,0 Mio (EUR -635,6 Mio). Darin enthalten sind Aufwendungen für jährliche Beitragszahlungen in Abwicklungsfonds in Höhe von EUR 65,6 Mio (EUR 51,3 Mio). Die Banken- und Finanztransaktionssteuern beliefen sich auf EUR 388,8 Mio (EUR 236,2 Mio). Dieser Anstieg war auf eine einmalige Sonderzahlung gemäß dem österreichischen Stabilitätsabgabegesetzes in Höhe von EUR 200,9 Mio zurückzuführen, zukünftig wird dafür die jährliche Belastung in Österreich signifikant niedriger sein. Insgesamt betrugen die österreichische Bankenabgaben EUR 306,7 Mio (EUR 128,6 Mio). Die ungarischen Bankenabgaben sanken deutlich auf EUR 57,0 Mio (EUR 84,0 Mio), in der Slowakei beliefen sie sich auf EUR 25,1 Mio (EUR 23,6 Mio).

Das den Minderheiten zuzurechnende Periodenergebnis reduzierte sich auf EUR 272,0 Mio (-11,4%; EUR 307,0 Mio), da die Ergebnisbeiträge der Haftungsverbund-Sparkassen von historisch sehr hohen Niveaus etwas zurückgegangen sind. Das den Eigentümern des Mutterunternehmens zuzurechnende Periodenergebnis stieg auf EUR 1.264,7 Mio (+30,6%; EUR 968,2 Mio).

Das um AT1-Kapital bereinigte gesamte Eigenkapital stieg auf EUR 16,1 Mrd (EUR 14,8 Mrd). Nach Vornahme der in der Eigenkapitalverordnung (CRR) festgelegten Abzugsposten und Filter stieg das harte Kernkapital (CET 1, Basel 3 aktuell) auf EUR 13,6 Mrd (EUR 12,1 Mrd), die gesamten regulatorischen Eigenmittel (Basel 3 aktuell) beliefen sich auf EUR 18,8 Mrd (EUR 17,6 Mrd). Das Gesamtrisiko, die risikogewichteten Aktiva aus Kredit-, Markt- und operationellem Risiko (Basel 3 aktuell), stieg auf EUR 101,8 Mrd (EUR 98,3 Mrd). Die harte Kernkapitalquote (CET 1, Basel 3 aktuell) lag bei 13,4% (12,3%), die Eigenmittelquote (Basel 3 aktuell) bei 18,5% (17,9%).

Die Bilanzsumme stieg auf EUR 208,2 Mrd (EUR 199,7 Mrd), vor allem aufgrund des höheren Kassenbestands und der Guthaben von EUR 18,4 Mrd (EUR 12,4 Mrd), der insbesondere auf höhere Guthaben bei Zentralbanken zurückzuführen war. Die Kundenkredite (netto) stiegen auf EUR 130,7 Mrd (+3,8%; EUR 125,9 Mrd), der Handelsbestand reduzierte sich auf EUR 8,0 Mrd (EUR 8,7 Mrd). Passivseitig gab es einen deutlichen Zuwachs bei Kundeneinlagen – insbesondere in Tschechien, Österreich und Rumänien – auf EUR 138,0 Mrd (+7,9%; EUR 127,9 Mrd), die Einlagen von Kreditinstituten stiegen auf EUR 14,6 Mrd (+3,0%; EUR 14,2 Mrd). Die verbrieften Verbindlichkeiten, vor allem Anleihen und Hypothekenpfandbriefe, sanken auf EUR 27,2 Mrd (-8,3%; EUR 29,7 Mrd). Das Kredit-Einlagen-Verhältnis lag bei 94,7% (98,4%).

Ausblick

Die Erste Group hat das Ziel, im Jahr 2017 eine um immaterielle Vermögenswerte bereinigte Eigenkapitalverzinsung (ROTE) von über 10% zu erreichen. Zu den Faktoren, die die Zielerreichung begünstigen, zählen die erwartete positive gesamtwirtschaftliche Entwicklung in den Kernmärkten Tschechien, Slowakei, Ungarn, Rumänien, Kroatien, Serbien und Österreich, die weiterhin sehr positiv eingeschätzte Risikosituation der Bank, sowie die signifikante Reduktion der Bankensteuer in Österreich. Das fortgesetzte Niedrigzinsumfeld, der Wegfall der Einmaleinnahmen durch den Verkauf der VISA-Anteile, sowie potenzielle – zum jetzigen Zeitpunkt nicht quantifizierbare – politische Risiken, können die Zielerreichung erschweren.

Die positive Wirtschaftsentwicklung sollte sich im Jahr 2017 in den CEE-Kernmärkten der Erste Group in Wachstumsraten (reales BIP-Wachstum) zwischen 1,5% und 4,5% widerspiegeln. Alle anderen wirtschaftlichen Parameter werden aus heutiger Sicht ebenfalls positiv eingeschätzt. Die Arbeitslosenquoten sollten sich weiter verbessern – in Tschechien und Ungarn gehören sie schon heute zu den niedrigsten der EU, die Inflation wird weiterhin niedrig erwartet und die Wettbewerbsfähigkeit sollte wieder in Leistungsbilanzüberschüssen zum Ausdruck kommen. Auch die budgetäre Situation und die Staatsverschuldung werden weiterhin positiv eingeschätzt. Im Gegensatz dazu wird für Österreich ein weniger dynamisches Wachstum von 1,5% erwartet. Nach dem Anstieg der Arbeitslosenquote im Jahr 2016 wird für 2017 eine Stabilisierung erwartet. Alles in allem wird das Wachstum in allen Ländern nach wie vor von der Inlandsnachfrage getrieben, wobei allerdings in den meisten Ländern auch ein positiver Wachstumsbeitrag vom Außenhandel erwartet wird.

Vor diesem Hintergrund geht die Erste Group davon aus, dass sie ein Nettokreditwachstum im mittleren einstelligen Bereich erreichen kann. Dieses wird auch notwendig sein, um im fortgesetzten Niedrigzinsumfeld den Margendruck bei der Neuveranlagung in Staatsanleihen zu kompensieren. Ebenfalls negativ auf das Zins-einkommen wirkt sich die starke Verbesserung in der Kreditqualität aus. Denn mit jeder weiteren Verringerung des NPL-Portfolios, getrieben einerseits durch NPL-Verkäufe als auch durch Portfolioverbesserungen, sinkt auch der erwartete zukünftige Ertrag aus NPLs, der im Zinseinkommen angesetzt wird. Insgesamt geht die Erste Group daher davon aus, dass sie den Nettozinsüberschuss im Jahr 2017 im besten Fall stabil halten kann; ein leichter Rückgang ist bei unverändertem Zinsumfeld allerdings auch möglich.

Die zweite wichtige Einnahmen-Komponente, der Provisionsüberschuss, wird für 2017 ebenfalls im Rahmen des Vorjahres erwartet. Positiv sollten sich hier die erhöhte Kreditnachfrage und das dynamische wirtschaftliche Umfeld auswirken. Nach dem schwachen Jahr 2016 sollte auch das Wertpapiergeschäft wieder besser laufen. Die übrigen Einkommens-Komponenten werden trotz der Volatilität im Handels- und Fair Value-Ergebnis im Großen und Ganzen stabil erwartet. Insgesamt sollten die Betriebseinnahmen im Jahr 2017 somit stabil bleiben oder im Fall eines unter den Erwartungen liegenden Kreditwachstums leicht zurückgehen.

Die Betriebsausgaben werden 2017, um 1-2% steigen. Dies hat vor allem mit IT-Investitionen in die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit der Erste Group und regulatorisch bedingten Umsetzungsmaßnahmen zu tun. Unter dem Stichwort Digitalisierung wird in Produktvereinfachung, Prozessstandardisierung und in die gruppenweite Etablierung der digitalen Plattform George investiert: Letztere soll 2017 nach Österreich auch in Tschechien, in der Slowakei und in Rumänien eingeführt werden. Zusätzlich kostentreibend sind regulatorische Ausgaben, wie die Umsetzung von IFRS 9 ab Anfang 2018 oder die Vorbereitung auf Anacredit, einer europaweiten Kreditdatenbank unter der Aufsicht der EZB. Für das Betriebsergebnis wird somit ein leichter Rückgang erwartet.

Weiterhin ergebnisunterstützend sollten 2017 die Risikokosten ausfallen. Denn so negativ die Auswirkung des Niedrigzinsumfelds auf den Zinsüberschuss ist, so positiv wirkt es sich auf die Risikokosten aus. Diese positive Auswirkung wird ebenfalls gegenläufig zum Zinseinkommen vom NPL-Abbau zusätzlich unterstützt. Trotzdem erwartet die Erste Group nicht, dass die historisch niedrigen Risikokosten des Jahres 2016 von 15 Basispunkten des durchschnittlichen Kundenkreditvolumens noch einmal wiederholt werden können. Obwohl eine treffsichere Prognose in diesem Umfeld schwierig ist, geht die Erste Group für 2017 von Risikokosten von etwa 30 Basispunkten des durchschnittlichen Kundenkreditvolumens aus.

Eine deutlich positive Entwicklung wird für das sonstige Ergebnis erwartet. Einerseits werden sich zwar die Einmaleinnahmen durch den Verkauf der VISA-Anteile nicht wiederholen, andererseits wird es nach der Einmalzahlung in den Innovationsfonds im Ausmaß von EUR 200,9 Mio im Jahr 2016, zu einer signifikanten Reduktion der Bankensteuer in Österreich kommen. Dementsprechend wird sich diese Position – vorbehaltlich heute noch nicht einschätzbarer Effekte – verbessern.

Unter Annahme einer ähnlichen Steuerquote wie im Jahr 2016 sowie einer vergleichbaren Höhe der Minderheitenanteile, strebt die Erste Group eine um immaterielle Vermögenswerte bereinigte Eigenkapitalverzinsung (ROTE) von über 10% an.

Risikofaktoren für die Prognose sind die Auswirkung der expansiven Geldpolitik der Zentralbanken inklusive Negativzinsen, politische Risiken (beispielsweise diverse Wahlen in den wichtigsten Volkswirtschaften der EU), geopolitische und weltwirtschaftliche Entwicklungen oder Konsumentenschutzaktivitäten.