22.09.2026

KMU-Studie 2026:
Das KMU-Dilemma: Optimismus im Betrieb, Sorgen um den Standort

  • 65 Prozent der KMU blicken optimistisch auf die kommenden Jahre
  • 57 Prozent planen Investitionen trotz schwierigem Umfeld
  • Mehr als die Hälfte beurteilt Österreichs Standortbedingungen schlechter als jene anderer EU-Länder
  • Erste Bank und Sparkassen stellen für Unternehmen eine Wachstumsmilliarde für Digitalisierung und Innovation bereit

Die österreichischen Klein- und Mittelunternehmen senden ein bemerkenswertes Signal: Trotz Konjunkturflaute, geopolitischer Unsicherheiten und steigender Kosten blicken zwei Drittel der Betriebe optimistisch in die Zukunft. Gleichzeitig fällt ihr Urteil über den Wirtschaftsstandort Österreich kritisch aus. Mehr als die Hälfte der KMU sieht die Rahmenbedingungen hierzulande schlechter als in anderen EU-Ländern. Das zeigt die aktuelle KMU-Studie von IMAS International im Auftrag von Erste Bank und Sparkassen.

Mit rund 604.000 Unternehmen, 2,46 Millionen Beschäftigten und 56 Prozent der heimischen Wertschöpfung bilden Klein- und Mittelunternehmen das Fundament der österreichischen Wirtschaft. %5B1%5D Umso relevanter ist ihr aktueller Blick auf die Zukunft: 65 Prozent der befragten Unternehmen sehen den kommenden zwei bis drei Jahren optimistisch entgegen. Damit bleibt die Zuversicht gegenüber 2024 weitgehend stabil.

„Die vergangenen Jahre haben Unternehmen enorm gefordert. Umso bemerkenswerter ist es, dass zwei Drittel der heimischen KMU weiterhin optimistisch bleiben. Österreichs Unternehmerinnen und Unternehmer vertrauen auf ihre Innovationskraft, ihre Anpassungsfähigkeit und die Stärke ihrer Betriebe. Der Unternehmergeist ist stärker als die Krisenstimmung“, sagt Gerda Holzinger-Burgstaller, CEO der Erste Bank Oesterreich.

Herausforderungen bleiben hoch

Entwarnung geben die Unternehmen dennoch nicht. Mehr als die Hälfte der Betriebe beurteilt ihr Marktumfeld heute als schwieriger als noch vor zwei bis drei Jahren. Besonders belastend sind aus Sicht der Unternehmen regulatorische Anforderungen und Bürokratie, steigende Energiepreise, höhere Personal- und Lohnkosten sowie wirtschaftliche und politische Unsicherheiten. Auch der Arbeitskräftemangel bleibt für viele Betriebe ein zentrales Thema.

Kritisch fällt auch die Bewertung des Standorts Österreich aus: 55 Prozent der KMU beurteilen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Vergleich zu anderen EU-Ländern als schlechter. Gleichzeitig empfinden 74 Prozent das Ausmaß staatlicher Regulierung als zu hoch.

„Die Unternehmen glauben an ihre Betriebe, sehen aber deutlichen Verbesserungsbedarf bei den Rahmenbedingungen. Planungssicherheit, wettbewerbsfähige Kostenstrukturen und weniger Bürokratie sind entscheidende Voraussetzungen, damit Unternehmen investieren und wachsen können. Das liegt im Interesse des gesamten Wirtschaftsstandorts“, sagt Daniel Rath, Unternehmenskundenvorstand der Erste Bank Oesterreich. 

Mittelstand setzt auf Innovation statt Abwarten

Trotz der anspruchsvollen Rahmenbedingungen blicken die Unternehmen nach vorne. 63 Prozent sehen in Digitalisierung und Automatisierung große Chancen für die kommenden Jahre, 61 Prozent in Forschung und technologischer Innovation. Auch Nachhaltigkeit, Energieeffizienz sowie die Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte zählen für viele Unternehmen zu den wichtigsten Zukunftsthemen.

Zunehmend an Bedeutung gewinnt dabei Künstliche Intelligenz. Bereits 34 Prozent der österreichischen KMU halten KI heute für wichtig für ihren Betrieb. 2024 lag dieser Wert noch bei 19 Prozent. Damit folgt Österreich einem europaweiten Trend. Laut Eurostat setzten 2025 bereits 20 Prozent der Unternehmen in der Europäischen Union mit zehn oder mehr Beschäftigten KI-Technologien im Geschäftsbetrieb ein. Gegenüber 2024 entspricht das einem Anstieg um 6,5 Prozentpunkte %5B2%5D.

„Österreichs Mittelstand sucht die Antwort auf neue Herausforderungen nicht im Stillstand, sondern in Innovation und Weiterentwicklung“, so Rath.

Erste Bank und Sparkassen stellen Wachstumsmilliarde bereit

Rund 57 Prozent der heimischen KMU planen, in den kommenden zwei bis drei Jahren in die Zukunft ihrer Unternehmen zu investieren. Um diesen Gestaltungswillen zu unterstützen, stellen Erste Bank und Sparkassen mit der Wachstumsmilliarde insgesamt eine Milliarde Euro an Finanzierungsmitteln bereit. Damit sollen Unternehmen die Möglichkeit erhalten, Digitalisierung und Automatisierung voranzutreiben, Produktionsanlagen zu modernisieren, innovative Technologien einzusetzen und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Die Initiative setzt gezielt dort an, wo der Investitionsbedarf besonders hoch ist, und schafft die finanziellen Voraussetzungen für nachhaltiges Wachstum und langfristige Wettbewerbsfähigkeit.

„Es mangelt den Unternehmen nicht an Ideen oder Investitionsbereitschaft. Wer investieren will, braucht aber Planungssicherheit und die passenden Finanzierungsmöglichkeiten. Genau hier setzen wir mit der Wachstumsmilliarde an“, sagt Gerda Holzinger-Burgstaller.

 

Zur Studie
Erste Bank und Sparkassen beauftragte das Marktforschungsinstitut IMAS INTERNATIONAL mit der Durchführung der KMU-Studie 2026. Die telefonische Befragung wurde zwischen 24. Februar und 27. März 2026 durchgeführt. Insgesamt wurden 900 Unternehmen mit einem Jahresumsatz zwischen 2 und 50 Millionen Euro in ganz Österreich interviewt. Befragt wurden Geschäftsführer:innen, Finanzverantwortliche und weitere Entscheidungsträger:innen. Die Studie ist repräsentativ nach Bundesländern, Branchen und Unternehmensgröße.

---------------------------------------------------
%5B1%5D KMU im Fokus 2025, Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus;

%5B2%5D eurostat: https://ec.europa.eu/eurostat/web/products-eurostat-news/w/ddn-20251211-2