Gut in Form mit 70: der Sparefroh

Heuer feiert der Sparefroh seinen 70. Geburtstag. Alt ist er trotzdem nicht, denn er geht mit der Zeit.

Wer in Österreich aufgewachsen ist, kennt ihn wahrscheinlich: den kleinen Mann mit dem spitzbübischen Gesicht, der dreieckigen roten Mütze, unter der eine Elvis-Locke hervorlugt, der Münze als Körper und den grünen, biegsamen Gliedmaßen. Seinen ersten großen Auftritt hatte er auf dem Weltspartag 1956, und schnell wurde er zum Liebling der Kinder. Doch woher kommt er eigentlich? Und warum heißt er „Sparefroh“?

Sparen nach dem Krieg

Viele Menschen in Österreich hatten ihre Ersparnisse mehrmals verloren, zuletzt durch das Schillinggesetz 1945 und das Währungsschutzgesetz 1947. Die Sparkassen hielten trotzdem am Spargedanken fest: Bereits kurz nach dem Krieg wurden das Schulsparen (1949) und der Weltspartag (1952) wieder eingeführt. Aber erst die Stabilisierung des Schillings Anfang der 1950er-Jahre brachte das Vertrauen allmählich zurück. Mit dem beginnenden Aufschwung wuchsen die Spareinlagen rasch. Für dieses neue, zuversichtliche Sparen suchten die Sparkassen ein Bild.

Sparefroh-Plakat von Heinz Traimer, 1956

Ursprüngliche Sparefroh-Figur aus Deutschland, 1955

Einreise aus Stuttgart

Fündig wurden sie in Deutschland. Dort war der Sparefroh erstmals in der Kinderzeitschrift „Unser Freund“ des Deutschen Sparkassenverlags in Stuttgart erschienen. Bei einer Tagung in Bayern entdeckten Fritz Rücker, Direktor der Salzburger Sparkasse, und sein Werbeleiter Franz Ruedl die Figur und brachten sie nach Salzburg. „Er war damals ein unscheinbares Männchen, von Stuttgart kommend, das auf der deutsch-österreichischen Grenze um Einreise ansuchte“, erinnerte sich Ruedl später.

In Salzburg gab ihm der Grafiker Leopold Juriga ein neues Aussehen. Statt der Kegelmütze trug der Sparefroh nun einen Dreieckshut, und das Gesicht, das beim deutschen Vorbild an Pinocchio erinnerte, wurde freundlicher. Der Werbefachmann Karl Damisch erkannte das Potenzial der Figur und setzte sich im Sparkassenverband dafür ein, sie in den Mittelpunkt der Sparwerbung zu stellen.

Warum „froh“?

Der Name war Programm. Sparen sollte nicht Verzicht bedeuten, sondern Vorfreude auf etwas, das man sich wünschte. Froh sparen könne der, so der Meinungsforscher Fritz Karmasin, „der den künftigen Nutzen mehr im Auge habe als die gegenwärtigen Entbehrungen.“

Ein Heft für die Schule 

Ab September 1956 verteilten die Sparkassen kostenlos das Magazin „Der Sparefroh – Freund der Sparjugend“, das bald auch im Schulunterricht verwendet wurde. Es gab Spargeschichten, Berichte über fremde Länder, Verkehrserziehung, Bastelanleitungen und Rätsel. In den 1970er-Jahren erreichte es eine Auflage von 400.000 Stück und war damit die größte Jugendzeitschrift Österreichs.

Überall Sparefroh

Der Sparefroh war ein Riesenerfolg. Es gab Plakate, Biegefiguren, Spardosen, PEZ-Spender, Weltspartagsgeschenke und bald auch eigene Lieder. Darin wurde er unter anderem zum Spielefroh, Wanderfroh oder Eurofroh. Er trat mit dem Kasperl und in Filmen auf, und Kinder verkleideten sich als Sparefroh. Seit 1965 gibt es im dritten Wiener Gemeindebezirk die Sparefrohgasse und in mehreren Orten Österreichs einen Sparefroh-Spielplatz.

Neue Striche

Dabei blieb das Aussehen des Sparefroh nicht unverändert. Die Wiener Grafikerin Rosi Grieder gab ihm in den 1970er-Jahren eine menschlichere Gestalt, kürzere Gliedmaßen und weichere Gesichtszüge. Für sie war der Sparefroh ein Maskottchen, das „nicht unbedingt belehrend wirken sollte, aber doch ein bisschen gescheiter als die Kinder war.“ Ab 1989 machte Eugen Kment aus ihm eine Comic-Figur mit Sprechblasen und zeichnete ihn erstmals von der Seite. Dann wurde es ruhiger um die beliebte Figur.

Die Rückkehr

Eine Untersuchung der Sparkassen zeigte, dass besonders die 30- bis 50-Jährigen den Sparefroh in bester Erinnerung hatten. 2006 ließ die Erste Bank ihn deshalb von Christo Penev neu entwerfen, angelehnt an den Sparefroh der Anfangsjahre, aber plastisch wie ein Spielzeug zum Angreifen. Inzwischen erklärt er Kindern in Videos und im Kinderradio Radino, wie Geld funktioniert.

Was bleibt

In siebzig Jahren hat sich der Sparefroh mehrmals gewandelt, vom gezeichneten Männchen über den Comic-Helden zur 3D-Figur. Auch rund ums Sparen hat sich viel verändert. Aus dem Schilling wurde der Euro, zum Sparbuch kam die App. Geblieben sind der Sparefroh und die Idee, für die er steht: sich etwas vorzunehmen und sich darauf zu freuen. Und geblieben ist einiges bei uns im Archiv: sämtliche Sparefroh-Hefte, Plakate, Filme, Fotos, Spardosen, Spiele und viele Weltspartagsgeschenke.