Objekt unter der Lupe

Geldkatzen ohne Krallen

Haben Sie den Begriff Geldkatze schon einmal gehört? Er bezeichnet ein Behältnis zur Aufbewahrung von Münzen. Woher der Name stammt, ist nicht ganz klar. Vom Katzenfell, aus dem sie in der Frühzeit tatsächlich gemacht wurden? Vom Aussehen, das manche an einen kleinen Katzenkörper erinnert? Mit Gewissheit aufklären lässt sich das nicht – sicher ist nur, dass das Wort vor allem im 18. und 19. Jahrhundert geläufig war.

Zwei Formen

Und das Ding an sich? Es existiert in zwei Formen: Die ältere, schon seit dem Mittelalter gebräuchliche, war eine Art Geldgürtel. Händler und Reisende verwahrten darin ihr Geld und sicherten es vor Dieben. Sie ist ein Vorläufer des heutigen Reisegürtels mit verstecktem Geldfach.

Die zweite Ausprägung sah etwas anders aus: Sie war ein schmaler, gehäkelter oder gestrickter Schlauch, den man über den Gürtel oder das Taillenband hängte. In der Mitte befand sich ein Längsschlitz, über den sich links und rechts je ein Metallring schieben ließ. So blieben die Münzen sicher an ihrem Platz und nichts fiel heraus. Wenn man zahlen wollte, schob man einen Ring auf die Seite und griff durch den Schlitz nach dem Geld. Häufig waren die beiden Enden in verschiedenen Farben oder Mustern gestaltet, damit man Gold- und Silbermünzen leichter unterscheiden konnte.

Reich verziert

Diese Geldkatzen erlebten ihre Blüte im Biedermeier. Sie waren ein modisches Accessoire, das vor allem bürgerliche Damen in aufwändiger Handarbeit fertigten – sorgfältig gestaltet und oft mit kleinen Glasperlen besetzt. Sie entstanden für den eigenen Gebrauch oder als Geschenk. Ein selbst gemachtes Stück war zugleich ein Zeichen von Zuneigung und von einem gewissen Wohlstand.

Leiser Abschied

Als um die Mitte des 19. Jahrhunderts das Papiergeld an Bedeutung gewann, verschwand die Geldkatze nach und nach aus dem Alltag. An ihre Stelle traten Geldbörsen mit flachen Fächern für die Scheine.

In unserer Sammlung haben sich mehrere besonders schöne Geldkatzen erhalten. Sie erzählen vom Umgang mit Geld in vergangenen Zeiten und davon, wie eng Funktion, Form und Mode zusammengehören.