„Für mich einzustehen hat
mich stärker gemacht.“

Starke Werte und die Fähigkeit, auf die Bedürfnisse der Menschen einzugehen, prägen Jiřís Rolle als Customer Journey Expert und Leiter des LGBTIQ+-Netzwerks bei Česká spořitelna, der Bank der Erste Group in der Tschechischen Republik.

Wie bist Du aufgewachsen?
Ich stamme aus einem kleinen Dorf; meine Eltern sind Unternehmer. Sie haben mir beigebracht, wie wichtig es ist, füreinander da zu sein. Besonders auf dem Land – in der Zeit nach dem Kommunismus – wurde mir vermittelt, nicht aufzufallen und mich eher im Hintergrund zu halten. Mit 19 Jahren zog ich für mein Studium nach Prag.

Wie bist Du zu Česká spořitelna gekommen?
Česká spořitelna war tatsächlich meine erste Arbeitgeberin. Nach einigen Jahren entschied ich mich, neue Möglichkeiten zu erkunden und anderswo Erfahrungen zu sammeln. Später sprach mich ein ehemaliger Mentor auf eine spannende neue Position an und ermutigte mich zur Bewerbung – so kehrte ich schließlich zur Bank zurück. Zunächst nahm ich an einem Trainee-Programm mit Schwerpunkt UX/UI teil. Heute stehe ich in direktem Kontakt mit Geschäftskunden, um unsere Produkte und Lösungen optimal auf ihre Bedürfnisse zuzuschneiden und weiterzuentwickeln. Das bedeutet, den Status quo täglich zu hinterfragen, da wir ständig neues Feedback erhalten. Es ist wichtig, die Kundenbedürfnisse bestmöglich zu erfüllen und genau das macht mir großen Spaß.

Neben Deiner eigentlichen Tätigkeit hast Du auch das LGBTIQ+-Mitarbeitendennetzwerk „Queers & Allies“ mit aufgebaut. Wie kam es dazu?
Nach einem unserer Meetings sprach mich ein Kollege an und fragte, ob ich Interesse hätte, das entstehende Netzwerk „Queer & Allies“ zu unterstützen. Ich sagte sofort zu, da mir dieses Thema sehr am Herzen liegt. Und da ich innerhalb der Gruppe als die kontaktfreudigste Person galt, wurde ich gebeten, die Leitung des Netzwerks zu übernehmen. Ich bin der Meinung, dass ein queeres Mitarbeitendennetzwerk zwei wesentliche Vorteile bietet: Einerseits signalisiert es Offenheit und Inklusion im Unternehmen, indem es eine Gemeinschaft schafft, in der man sich gegenseitig unterstützt. Andererseits strahlt es auch nach außen hin ein entsprechendes Image aus und macht unsere Marke inklusiver und attraktiver. Das ist enorm wertvoll.

„Queer & Allies“ besteht offiziell seit 2026, doch dem gingen mehrere Jahre der Vorbereitung und Aufbauarbeit voraus. Wir nutzten unsere erste Pride Week, um Feedback einzuholen. Das war unsere bisher größte Initiative und bot uns erstmals die Gelegenheit, mit einer Vielzahl von Kollegen zusammenzukommen und direktes Feedback zu erhalten. Für uns war das ein wichtiger Meilenstein – etwas, worauf ich persönlich sehr stolz bin. Viele Menschen sind auf uns zugekommen, die sich nun stärker wahrgenommen fühlen als zuvor.

Wie lässt sich deine Tätigkeit als Customer Journey Expert mit deiner Rolle als Lead bei „Queers & Allies“ verbinden?
Zunächst einmal hätte ich meine Rolle bei „Queers & Allies“ überhaupt nicht ausfüllen können, wenn mein Team und meine Führungskraft mich nicht so sehr unterstützt hätten. Das hat mich ermutigt, dranzubleiben. Der rote Faden ist wohl, dass man in beiden Rollen Feedback erhält – einerseits von Kund:innen in meinem Job und andererseits von Kolleg:innen aus der Queer-Community darüber, was sie benötigen. Ich sehe es als meine Aufgabe an, mir dieses Feedback anzuhören, die Menschen dort abzuholen, wo sie stehen, und auf ihre Bedürfnisse einzugehen.

Warum ist es Dir wichtig, an Deinem Arbeitsplatz so akzeptiert zu werden, wie du bist?
Ich kann mir das Gegenteil ehrlich gesagt gar nicht vorstellen – an einem Ort zu arbeiten, an dem ich jeden Tag eine Maske tragen müsste, ist für mich undenkbar. Mir war es schon immer sehr wichtig, authentisch und ehrlich zu sein und anderen mit Respekt zu begegnen. Deshalb war es mir auch ein Anliegen, bei meinem Coming-out ehrlich zu sein. Der Prozess hat zwar Zeit gekostet, aber heute blicke ich sehr positiv darauf zurück. Ich würde sagen, es hat sich gelohnt, diesen Weg zu gehen. Außerdem identifiziere ich mich sehr mit dem Leitgedanken von Česká spořitelna: #stronger. Nicht nur, weil ich neben meinem Job bei der Bank auch als Fitnesstrainer arbeite, sondern weil ich stärker geworden bin, indem ich für mich selbst eingetreten bin.

Was wünschst Du Dir für die Zukunft?
Ich wünsche mir sehr, dass Vielfalt zur Normalität wird und queere Menschen zum Beispiel genauso offen von ihren Wochenenderlebnissen mit dem Partner oder der Partnerin erzählen können wie alle anderen auch – ohne dafür verurteilt zu werden.