
"Als Männer haben wir die Verantwortung, die Stimmen von Frauen zu stärken"
Petar ist Teil des Cyber Defense Center von Erste Digital sowie von „WoMen in IT“ – unserem (fast) reinen Frauen-Netzwerk im IT-Bereich. Gleichstellung und das Bewusstsein für Technologierisiken liegen ihm besonders am Herzen.
Wie bist du aufgewachsen?
Ich bin in Österreich geboren, meine Eltern stammen aus Bosnien, und ich war mein ganzes Leben lang von Freunden mit unterschiedlichsten Hintergründen und aus verschiedenen Kulturen umgeben. Da meine Eltern in einer anderen Gesellschaft aufgewachsen sind, vertraten sie manchmal andere Werte und Überzeugungen als die Menschen in Österreich. Als junger Erwachsener war das nicht immer einfach und fühlte sich bisweilen wie ein Kulturkonflikt an. Dennoch haben mich meine Eltern in ihrer Muttersprache erzogen und mich bei meinen Vorhaben unterstützt, wo immer sie konnten. So konnte ich beispielsweise dank ihrer finanziellen Unterstützung für mein Informatikstudium nach Wien ziehen. Auch heute ist es sehr hilfreich, Serbisch zu sprechen – etwa beim Austausch mit Kolleg:innen aus den Ländern auf dem Balkan.

Was genau machst Du in deinem Beruf?
Ich untersuche täglich unsere internen Systeme – also das Netzwerk, die Anwendungen und die Prozesse – auf Schwachstellen. Solche Schwachstellen bieten Kriminellen potenzielle Einstiegspunkte, um unsere Systeme zu missbrauchen. Wenn ich eine Schwachstelle entdecke, verfasse ich einen Bericht, informiere meine Kolleg:innen und gebe ihnen Empfehlungen, wie sie das Problem beheben können. Zudem stehe ich ihnen bei Fragen beratend zur Seite.
Einfach ausgedrückt: Ich mache es Angreifer:innen, die unsere Sicherheitsvorkehrungen umgehen wollen, so schwer wie möglich. Kreativität ist in diesem Job entscheidend, da auch die Angreifer:innen sehr kreativ dabei sind, Schwachstellen zu finden und auszunutzen. Sie nutzen sogar Menschen aus, indem sie diese emotional manipulieren – ein Vorgehen, das man als „Social Engineering“ bezeichnet. Mit diesen Methoden versuchen sie, an Geld, Wissen oder Informationen zu gelangen. „Über den Tellerrand hinauszuschauen“ – also unkonventionell zu denken – ist für diesen Beruf eine sehr wichtige Fähigkeit.
Was gefällt dir besonders an deinem Job?
Wir arbeiten mit unterschiedlichsten Menschen in verschiedensten Positionen und Abteilungen zusammen. Diese Vielfalt an Herausforderungen, Systemen und menschlichen Interaktionen macht meinen Job extrem spannend. Ich lerne jeden Tag etwas Neues dazu. Ich lerne neue Leute kennen, baue gute Netzwerke auf und unterstütze Kolleg:innen bei der Bewältigung ihrer Herausforderungen – das macht den Job richtig klasse. Außerdem sind wir hier im Cyber Defense Center ein großartiges Team. Mein Beruf ist meine Leidenschaft; deshalb verbringe ich auch meine Freizeit damit, um die Welt zu reisen, Hackspaces zu besuchen und an Konferenzen teilzunehmen. Dort treffe ich neue wie auch bekannte Gesichter, tausche mich über technische Themen aus und knüpfe echte Kontakte. Es ist eine weltweite Community.
Würdest du dich selbst als den „typischen IT-Typen“ bezeichnen?
Wenn man an das Klischee des „typischen IT-Typen“ denkt – also eine eher introvertierte Person, die den ganzen Tag nur auf den Computer starrt –, dann trifft das auf mich absolut nicht zu. Ich bin sehr kontaktfreudig, unterhalte mich gerne mit anderen Menschen und baue aktiv Netzwerke auf.
Du warst der erste Mann, der aktives Mitglied unseres – überwiegend aus Frauen bestehenden – Netzwerks „WoMen in IT“ wurde. Wie kam es dazu, dass du Teil davon wurdest?
Ich habe einige Veranstaltungen des Netzwerks besucht, weil mich die Interviews mit verschiedenen beeindruckenden und erfolgreichen Frauen aus dem Unternehmen sehr interessierten – ich wollte sie und ihre Lebensgeschichten kennenlernen. Von Anfang an fand ich die Inhalte extrem anregend. Ich habe oft Fragen gestellt, und irgendwann wurde ich dann gefragt, ob ich Mitglied bei „WoMen in IT“ werden möchte.
Ich finde, als Mann ist es sehr wichtig, Frauen zu unterstützen und ihnen eine Bühne zu bieten. Die IT ist schließlich nicht nur etwas für Männer. In der Tech-Branche gibt es zahlreiche Beispiele dafür, wie ein Mangel an Vielfalt zu Diskriminierung, Ausgrenzung und schlechteren Ergebnissen führt. Gerade Männer sollten sich stärker bewusst machen, dass mangelnde Vielfalt immer eine Schwachstelle darstellt – denn uns entgehen dadurch die unterschiedlichen Perspektiven, die uns dabei helfen, Probleme zu erkennen und bessere Lösungen zu entwickeln.
Wann bist du erstmals mit den Themen Vielfalt und Inklusion in Berührung gekommen?
Das war während meiner Studienzeit. Nur etwa 20 % der Informatikstudierenden waren Frauen. Als ich in der Fachschaft aktiv war, beschlossen wir, Tickets für Veranstaltungen und Konferenzen nach einem „Reißverschluss-Prinzip“ zu vergeben – das heißt: Für jede Frau, die ein Ticket erhielt, bekam auch ein Mann ein Ticket. Wir wollten so eine gleichmäßige Verteilung zwischen den Geschlechtern erreichen. Natürlich gab es daraufhin Beschwerden. Das war einer der Momente, in denen mir klar wurde, dass Fairness und Gleichstellung nicht von allen unterstützt werden – meist deshalb, weil sich die Betreffenden ihrer eigenen Privilegien nicht bewusst sind.
Was möchtest du in Zukunft verändern?
Technologien werden immer mächtiger. Ich wünsche mir, dass sich die Menschen stärker der Gefahren bewusst werden, die durch Technologie entstehen können, insbesondere im Zusammenhang mit Gewalt und Ungleichheit. Ich versuche stets, das Bewusstsein für die Probleme und Risiken von Technologie zu schärfen und zu verdeutlichen, warum Privatsphäre so wichtig ist. Ich möchte, dass die Menschen wissen, was sie selbst tun können, um sich zu schützen. Dieses Thema liegt mir sehr am Herzen, und deshalb setze ich mich dafür ein.