
“Mir ist wichtig, dass sich
jeder Gast bei uns gesehen fühlt.”
Im Interview mit Wioleta Swiatek
Im italienischen Lokal Al Banco sorgt Wioleta Swiatek dafür, dass der Kaffee nicht nur schmeckt, sondern begeistert. Als Barista und stellvertretende Serviceleiterin ist sie jeden Tag viele Stunden auf den Beinen und trägt Verantwortung für die gesamte Kaffeeversorgung am Campus.
Wioleta Swiatek wurde in Tarnow geboren, einer mittelgroßen Stadt in Polen, die oft als der „polnische Wärmepol“ bezeichnet wird. Sie ist die jüngste von vier Geschwistern und konnte durch einen großen Altersunterschied viel von ihnen lernen, ihre Lebenswege beobachten und schließlich ihren eigenen Weg finden. 2013 kam sie nach Wien. Seit 2018 arbeitet sie am Erste Campus in der italienischen Aperibar Al Banco in Wien. 2019 schloss sie ihre Ausbildung an der Barista Academy in Krems erfolgreich ab.
Wie sieht ein typischer Arbeitstag für dich aus?
Mein Tag beginnt früh. Um 5:20 Uhr stehe ich auf, denn ich brauche etwa 40 Minuten ins Lokal. Um 7:30 Uhr bin ich da, um 8:30 Uhr öffnen wir.
Diese Stunde Vorbereitung ist intensiv: Wir stellen die Kaffeemaschine ein, bereiten Frühstück und Service vor, holen Süßspeisen aus unserer internen Patisserie, kontrollieren Bestellungen und prüfen die Verkaufszahlen vom Vortag. Ich bin auch für die Warenbestellung zuständig. Das heißt, ich muss genau wissen, was wir brauchen - oft auch schon für den nächsten Tag.
Im Sommer kommt außerdem unser großer Gastgarten dazu. Das bedeutet noch mehr Arbeit vor der eigentlichen Arbeit.
Was sind die größten Herausforderungen in deinem Alltag?
Die Organisation. Ich arbeite gerne strukturiert, aber in der Gastronomie ist jeder Tag anders. Man kann nicht genau planen, wie viele Gäste kommen oder was passieren wird.
Wir haben drei starke Stoßzeiten: Frühstück, Mittagessen und am Abend. Morgens kommen viele zu Meetings oder auf einen schnellen Kaffee vor der Arbeit. Mittags ist es besonders voll. Von 11:30 bis 14:30 Uhr ist richtig viel los. Abends treffen sich die Menschen nach der Arbeit oder zu Veranstaltungen. Ich bin oft da, wenn andere feiern.
Die größte Herausforderung ist, dass wir als Team unsere Ziele erreichen. Unter Stress ruhig zu bleiben, gut zu kommunizieren und aufeinander zu vertrauen, ist entscheidend. Wenn jede und jeder weiß, welche Aufgabe sie oder er übernimmt, dann funktioniert es. Teamspirit ist alles!
Du bist viel auf den Beinen – wie körperlich anstrengend ist dein Job?
Ich stehe den ganzen Tag. 10.000 Schritte sind bei mir das Minimum und das, obwohl ich viel hinter der Bar arbeite. Die ist gar nicht so groß. Man bewegt sich ständig, ist konzentriert, reagiert auf Gäste und organisiert im Hintergrund.
Dazu kommt meine technische Verantwortung: Ich kümmere mich um die Kaffeemaschinen – nicht nur hier, sondern auch an anderen Standorten am Campus. Ich habe dafür eine zusätzliche technische Barista-Ausbildungen gemacht. Wenn etwas repariert oder eingestellt werden muss, bin ich dafür zuständig.
Das bedeutet viel Verantwortung, denn Kaffee ist wichtig für viele Menschen.
Woher kommt deine Leidenschaft für Kaffee?
Meine Begeisterung für Kaffee begann während meines Studiums in Krakau. In einem kleinen Café arbeitete eine spätere Barista-Weltmeisterin. Sie sprach mit so viel Leidenschaft über Kaffee, über Bohnen, Röstung, Zubereitung, dass es mich sofort gepackt hat.
Ich wollte mehr wissen, also habe ich viele Kurse gemacht. Zuerst in Polen, später auch in Wien. Unter anderem habe ich die Barista-Ausbildung an der Barista Academy in Krems absolviert und später eine technische Zusatzausbildung abgeschlossen.
Die Welt des Kaffees ist riesig. Man kann immer weiterlernen.
Was ist dir bei deiner Arbeit besonders wichtig?
Qualität und Details. Ich liebe „Latte Art“. Für manche ist das vielleicht nur Dekoration, aber für mich ist es Wertschätzung. Jeder Kaffee soll zeigen: Hier hat sich jemand Mühe gegeben.
Mir ist wichtig, dass Gäste sich willkommen fühlen, sie nicht einfach nur Kund:innen sind, sondern sich gesehen fühlen.
Außerdem sind mir Zusammenarbeit im Team, Motivation und Unterstützung wichtig, damit sich jeder ernst genommen fühlt und sich weiterentwickeln kann.
Was stärkt dich außerhalb der Arbeit?
Die Natur und Reisen geben mir Kraft. Ich liebe es, in den Bergen zu wandern – das macht meinen Kopf frei. Und ich reise sehr gern. Mit dem Rucksack habe ich schon über 25 Länder besucht.
Besonders geprägt hat mich eine 5.000 Kilometer lange Reise durch die USA – von Los Angeles über Las Vegas und über den Grand Canyon bis nach San Francisco.
Was hast du aus den USA mitgenommen?
Die Offenheit in der Gastronomie. Diese Form von „Hospitality“ hat mich sehr beeindruckt. Jeder Gast wird gesehen. Man wird begrüßt wie jemand, der wirklich willkommen ist. Man ist Gast.
Das wollte ich auch ins Al Banco bringen: Dass unsere Gäste sich als Teil einer Gemeinschaft fühlen und Gespräche entstehen. Begegnung ist wichtig, das beduetet „Hospitality“ für mich.
Was bedeutet dir deine Arbeit?
Es bedeutet Verantwortung, Stärke und Ausdauer. Ich bin viel auf den Beinen, ich trage Verantwortung für Qualität, Technik und das Team. Aber ich mache das mit Leidenschaft.
Ich liebe, was ich tue. Und ich bin stolz darauf.
Vielen Dank, liebe Wioleta, für das Interview!