Erste Group Bank AG
Online Geschäftsbericht 2020

Redaktionsschluss: 26. Februar 2021, soweit nicht anders angegeben



Highlights

Solides Jahresergebnis

_   Nettogewinn von EUR 783,1 Mio
trotz hoher Risikovorsorgen aufgrund Covid-19 und
entsprechender Maßnahmen

_   Bankentöchter in allen Kernmärkten erzielen Gewinne

Betriebsergebnis von Lockdowns beeinträchtigt

_   Betriebseinnahmen sinken um 1,4%

_   Zinsüberschuss steigt um 0,6% trotz weiterer
Zinssenkungen in CEE

_   Effizienzmaßnahmen unterstützen Verbesserung im
Betriebsaufwand von 1,5%

_   Betriebsergebnis geht um 1,3% zurück

_   Kosten-Ertrags-Relation stabil bei 59,0%

 

Kreditwachstum hält an

_   Nettokredite steigen um 3,6%, organisches Wachstum,
gestützt von Staatsgarantien und Kreditmoratorien

_   NPL-Quote steigt moderat auf 2,7%

_   NPL-Deckungsquote bei 88,6%

_   Risikokosten aufgrund aktualisierter Risikoparameter
nach Einbeziehung zukunftsbezogener Informationen
bei 78 Basispunkten (gerechnet auf durchschnittliche
Bruttokundenkredite)

Exzellente Kapitalisierung

_   Harte Kernkapitalquote (CET1, CRR final) steigt auf 14,2%,
regulatorische Vorgaben und internes Ziel überschritten

_   Zwei erfolgreiche Platzierungen von Hartem Kernkapital (AT1)

Sehr gute Refinanzierungs- und Liquiditätsposition

_   Starke Retail-Einlagenbasis in allen Kernmärkten als
wichtiger Vertrauensindikator und Wettbewerbsvorteil

_   Kredit-Einlagen-Verhältnis bei 86,9%

_   Erfolgreiche Platzierung verschiedener Asset-Klassen
seitens Holding und Tochtergesellschaften, z.B. erstmalige Emission von Non Preferred Senior (NPS) in der Slowakei

Umfassende Präsenz in Zentral- und Osteuropa

Management

Vorstand

Bernd Spalt, Vorsitzender des Vorstandes
Ingo Bleier, Mitglied des Vorstandes für Corporate Banking & Markets
Stefan Dörfler, CFO
Alexandra Habeler-Drabek, CRO
David O‘Mahony, COO 
Maurizio Poletto, Chief Platform Officer
Thomas Schaufler, Mitglied des Vorstandes für Retail Banking

Aufsichtsrat

Friedrich Rödler, Vorsitzender des Aufsichtsrats
Jan Homan, Erster Stellvertreter des Vorsitzenden
Maximilian Hardegg, Zweiter Stellvertreter des Vorsitzenden
Mitglieder:
Matthias Bulach, Henrietta Egerth-Stadlhuber, Jordi Gual, 
Marion Khüny, Friedrich Santner, Elisabeth Krainer Senger-Weiss,
András Simor, John James Stack, Michèle F. Sutter-Rüdisser
Vom Betriebsrat entsandt:
Barbara Pichler, Andreas Lachs, Karin Zeisel, Jozef Pinter, 
Markus Haag, Regina Haberhauer

Performance

Erste Group, führender Kreditgeber in Zentral- und Osteuropa, konnte das Corona-Jahr 2020 mit einem soliden Betriebsergebnis von 2,9 Mrd Euro (-1,3% im Jahresvergleich) abschließen. Für drohende Kreditausfälle nach der Pandemie wurden knapp 1,3 Mrd Euro an Risikovorsorgen gebildet. Das Nettoergebnis sank dadurch um 46,7% auf 783 Mio Euro. Kundenkredite stiegen hingegen um 3,6% auf 166,1 Mrd Euro, Kundeneinlagen um 9,9% auf 191,1 Mrd Euro. Die harte Kernkapitalquote (CET1, final) stieg abermals von 13,7% auf 14,2%.

Detailinformationen zum Geschäftsverlauf und zur Entwicklung der Segmente finden Sie hier

Kapitalmarkt

Die internationalen Finanzmärkte standen im abgelaufenen Jahr ganz im Zeichen der durch Covid-19 induzierten Krise und der Maßnahmen zur Eindämmung des Virus. Geopolitische Risiken wie die Ungewissheit über den Ausgang der US-Präsidentschafts­wahlen und die langwierigen Brexit-Verhandlungen zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich traten vergleichsweise in den Hintergrund. Einhergehend mit der weltweiten Ausbreitung des Coronavirus, kam es im ersten Quartal nach einem zunächst vielversprechenden Start in das Jahr zu einem globalen Ausverkauf an den Börsen. Lockdowns – die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Einschränkungen in nahezu allen Ländern – konnten die Ausbreitung des Virus bremsen, doch die Furcht vor einem im Ausmaß nicht abzuschätzenden weltweiten Konjunktureinbruch verursachte substanzielle Kurseinbrüche. Die von Politik, Zentralbanken und Regulatoren initiierten massiven Unterstützungsmaßnahmen zur Abfederung der negativen Effekte auf die künftige wirtschaftliche Entwicklung führten in weiterer Folge zu einer Entspannung an den Märkten. Das Wechselspiel von positiven und negativen Nachrichten vor allem im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie sorgte jedoch für hohe Volatilitäten. Dem Optimismus für das Wirtschaftswachstum ab 2021, gepaart mit geringer als erwarteten Rückgängen bei den Unternehmensgewinnen im Jahr 2020, standen weiter steigende Covid-19-Infektionszahlen gegenüber, die im vierten Quartal weitere, wenngleich in einigen Ländern weniger strikte Lockdowns als zu Beginn der Pandemie zur Folge hatten. Meldungen erfolgreicher klinischer Studien von Impfstoffen gegen Covid-19 und der Impfstart sowie das Abebben politischer Risiken nach der Wahl des neuen US-Präsidenten und die Einigung auf das Handelsabkommen wenige Tage vor dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus dem EU-Binnenmarkt führten zu deutlichen Kursanstiegen, die jedoch die zuvor erlittenen Verluste an einem Großteil der beobachteten Aktienmärkte nicht kompensieren konnten.

* Vergleich seit IPO entfällt, da die Erste Group erst seit 16. Jänner 1998 im Index gewichtet ist.
IPO ... Initial Public Offering/Börseneinführung, SPO ... Secondary Public Offering/Kapitalerhöhung 

Interaktiver Chart der Erste Group-Aktie 

Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Finanzinstruments zu.

Aktionärsstruktur
 

Streubesitz: 68,83%
1 Anteile der Sparkassenstiftungen im Syndikat, Eigenbestand der Sparkassen und Erste Mitarbeiterbeteiligung Privatstiftung
2 Andere Syndikatspartner der Aktionärsvereinbarung Erste Stiftung, Sparkassen und CaixaBank
* Institutionelle und Private Investoren international
** Inklusive Market Makers, Prime Brokerage, Proprietary Trading, Collateral und Stock Lending. Positionen ersichtlich durch Banklisten bei Depotbanken.Die Aktionärsstruktur kann Rundungsdifferenzen enthalten. Die auf dieser Webseite verwendeten Informationen beruhen auf Quellen, die wir als zuverlässig erachten. Eine Garantie für deren Richtigkeit oder Vollständigkeit kann nicht übernommen werden.

Trends und Ausblick

Die Erste Group hat sich für das Jahr 2021 das Ziel gesetzt, den Nettogewinn zu erhöhen. Zu den Faktoren, die die Erreichung dieses Ziels begünstigen, zählen eine wirtschaftliche Erholung in allen Kernmärkten –Tschechien, Slowakei, Ungarn, Rumänien, Kroatien, Serbien und Österreich – sowie, darauf aufbauend, ein Rückgang der Risikokosten und eine Verbesserung im Betriebsergebnis. Eine Fortsetzung oder weitere Verschärfung der behördlichen Covid-19-Maßnahmen sowie potenzielle – zum jetzigen Zeitpunkt nicht quantifizierbare – politische, regulatorische oder wirtschaftliche Risiken können die Zielerreichung erschweren.

Die positive Wirtschaftsentwicklung sollte sich im Jahr 2021 in den CEE-Kernmärkten der Erste Group in Wachstumsraten (reales BIP-Wachstum) von 3% bis knapp 6% widerspiegeln. Die weiteren Wirtschaftsindikatoren sollten sich in Abhängigkeit von behördlichen Covid-19-Maßnahmen bzw. dem Auslaufen von staatlichen Unterstützungsmaßnahmen unterschiedlich entwickeln. So wird erwartet, dass die Arbeitslosenquoten steigen werden, in Tschechien und Ungarn werden sie allerdings weiterhin zu den niedrigsten der EU gehören. Bei der Inflation wird in Tschechien und der Slowakei ein Rückgang erwartet, während für die anderen Kernmärkte leichte Anstiege prognostiziert werden. Die nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit sollte in den meisten Ländern wieder in soliden bzw. in der Slowakei und Rumänien besseren Leistungsbilanzsalden zum Ausdruck kommen. Auch die budgetäre Situation sollte sich nach den signifikanten Budgetdefiziten im Jahr 2020 wieder verbessern. Die Staatsverschuldung wird, zwar auf signifikant erhöhtem Niveau, als großteils stabil eingeschätzt.
 

Vor diesem Hintergrund geht die Erste Group davon aus, dass ein Nettokreditwachstum im niedrigen bis mittleren einstelligen Bereich erreicht werden kann. Diese Entwicklung sollte trotz negativer Zinsen in der Eurozone den Zinsüberschuss stabil halten. Bei der zweiten wichtigen Einnahmenkomponente, dem Provisionsüberschuss, wird ein Anstieg im niedrigen einstelligen Bereich erwartet. Positiv sollten sich hier, wie schon im Jahr 2020, das Fondsmanagement, das Wertpapiergeschäft und das Versicherungsvermittlungsgeschäft auswirken. Angesichts des durchschnittlichen Ergebnisses 2020 wird ein höheres Handels- und Fair Value-Ergebnis erwartet. Dies ist allerdings ganz erheblich vom Finanzmarktumfeld abhängig. Die übrigen Einnahmenkomponenten werden im Großen und Ganzen stabil erwartet. Insgesamt sollten die Betriebseinnahmen im Jahr 2021 jedoch wieder steigen. Bei den Betriebsausgaben ist 2021 von einem leichten Anstieg auszugehen, teilweise bedingt durch wieder aufkommenden Lohndruck in allen Märkten der Erste Group. Zusätzlich wird die Erste Group auch 2021 in IT und damit in die Wettbewerbsfähigkeit investieren: Progressive IT-Modernisierung, Backoffice-Digitalisierung und der Ausbau der digitalen Plattform George stehen dabei im Fokus. Die Einführung von George soll 2021 in Ungarn und Kroatien abgeschlossen werden, damit wird George für die Kunden in den sechs größten Kernmärkten verfügbar sein. Obwohl in einem schwer vorhersagbaren Umfeld herausfordernder, strebt die Erste Group 2021 ein stärkeres Wachstum bei den Betriebserträgen als bei den Kosten an. Somit rechnet die Erste Group im Jahr 2021 mit einem Anstieg im Betriebsergebnis.

Ausgehend vom oben beschriebenen Szenario, sollten 2021 die Risikokosten wieder sinken. Obwohl eine treffsichere Prognose im aktuellen Covid-19-Umfeld schwierig ist, geht die Erste Group für 2021 von Risikokosten von maximal 65 Basispunkten des durchschnittlichen Kundenkreditvolumens (brutto) aus. Aufgrund des erwarteten Auslaufens staatlicher Unterstützungsmaßnahmen ist trotzdem mit einem Anstieg der NPL-Quote auf etwa 3-4% zu rechnen.

Im sonstigen betrieblichen Erfolg wird für den Fall, dass es keine signifikanten Sondereffekte gibt, eine unveränderte Entwicklung erwartet. Unter Annahme einer Steuerquote von unter 25% sowie im Jahresvergleich ähnlich hoher Minderheitenanteile strebt die Erste Group eine Verbesserung des Nettoergebnisses an. Die Erste Group rechnet mit einer fortgesetzt starken Harten Kernkapitalquote. Der Vorstand schlägt – der Empfehlung der EZB folgend – vor, auf der Hauptversammlung im Mai für 2020 eine Dividende von EUR 0,5 je Aktie zu beschließen. Darüber hinaus wurde eine Reserve von EUR 1 je Aktie für eine mögliche spätere weitere Auszahlung gebildet.

Risikofaktoren für die Prognose sind, neben anderen als erwarteten (geo-)politischen, wirtschaftspolitischen (Geld- und Fiskalpolitik) und regulatorischen Maßnahmen und Entwicklungen, auch globale Gesundheitsrisiken oder Änderungen im Wettbewerbsumfeld. Zusätzlich sind aufgrund der behördlichen Covid-19-Maßnahmen und deren Auswirkung auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung Finanzprognosen weiterhin mit erhöhter Unsicherheit behaftet. Die Erste Group ist zudem nichtfinanziellen und rechtlichen Risiken ausgesetzt, die unabhängig vom wirtschaftlichen Umfeld schlagend werden können. Eine schlechter als erwartete Wirtschaftsentwicklung kann auch eine Goodwillabschreibung erforderlich machen.

Risikomanagement

Das bewusste und selektive Eingehen von Risiken und deren professionelle Steuerung stellt eine Kernkompetenz jeder Bank dar. Eine angemessene Risikopolitik und -strategie ist eine essenzielle Grundlage für die Bewahrung der finanziellen Stabilität der Bank und stellt die Rahmenbedingungen für den operativen Erfolg dar.

Die Erste Group hat ein, auf ihr Geschäfts- und Risikoprofil abgestimmtes, vorausschauendes Risikomanagementregelwerk entwickelt. Dieses Regelwerk basiert auf einer klaren Risikostrategie und definiert generelle Prinzipien, gemäß denen das Eingehen von Risiken in der ganzen Gruppe stattfindet. Die Risikostrategie ist mit der Geschäftsstrategie der Gruppe konsistent und berücksichtigt ebenfalls den erwarteten Einfluss externer Umweltfaktoren auf die geplanten Geschäfts- und Risikoentwicklungen.

Die Risikostrategie beschreibt das Ist-Risikoprofil, definiert die Risikomanagement Prinzipen, die strategischen Ziele als auch Initiativen für die wichtigsten Risikoarten und setzt strategische Limits für die wesentlichen finanziellen und nichtfinanziellen Risikoarten, die in der Risikomaterialitätsbeurteilung angeführt werden. Die Risikostrategie wird im Rahmen einer klar definierten Governance-Struktur umgesetzt. Diese dient zur Überwachung des Risikoappetits, ergänzender Kennzahlen als auch zur Eskalation von Limitüberschreitungen.

Im Jahr 2020, als die Covid-19-Pandemie weltweit und daher auch in unseren Kernmärkten zum zentralen Thema wurde, hat das Management die Steuerung von Kreditportfolios, einschließlich des aktiven Managements von notleidenden Krediten, zur weiteren Stärkung des Risikoprofils fortgeführt. Auf der Gruppenebene wurde ein zukunftsorientiertes Konzept umgesetzt und in erheblichem Umfang Risikovorsorgen gebildet, um der infolge eines sich eintrübenden Konjunkturausblicks erwartenden Verschlechterung der Kreditqualität zu begegnen.

Nachhaltigkeit

Das Jahr 2020 stand nicht nur im Zeichen der durch Covid-19 induzierten Krise, sondern war auch von einer Reihe von Initiativen zu Umweltthemen geprägt, insbesondere zur Eindämmung der sich beschleunigenden Erderwärmung. Am 15. Jänner 2020 führte das Weltwirtschaftsforum in seinem globalen Risikobericht den Klimawandel und damit verbundene Umweltrisiken unter den fünf wahrscheinlichsten Bedrohungen an. Infektionskrankheiten schienen im Ranking ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit zwar nicht unter den Top Ten auf, nahmen hinsichtlich ihrer Auswirkungen jedoch den zehnten Rang ein. Zu diesem Zeitpunkt hätte sich kaum jemand vorstellen können, wie bald sich eine solche Bedrohung in Form eines neuartigen Coronavirus rund um den Globus verbreiten würde und dass zum Schutz der Gesundheitssysteme weltweit signifikante soziale Einschränkungen und wirtschaftliche Lockdowns umgesetzt würden. Die von Covid-19 induzierte Krise verursachte wesentliche negative Auswirkungen auf die Wirtschaft, zeigte jedoch auch, wie viel erreicht werden kann, wenn die Politik den Fokus auf gemeinsame Ziele legt.

Für die Erste Group ist die Berücksichtigung der Auswirkungen ihres unternehmerischen Handelns auf die Gesellschaft und die Umwelt nichts Neues, ganz im Gegenteil. Ein Agieren, das nicht nur auf finanzielle Erfolgszahlen ausgerichtet ist, entspricht den bereits vor 200 Jahren festgeschriebenen Grundsätzen der Erste österreichische Spar-Casse. Der Vorstand hat eine Grundsatzerklärung (Statement of Purpose) beschlossen, um den Zweck der Erste Group – in der gesamten Region Wohlstand zu fördern und zu sichern – zu bestätigen und zu präzisieren.

Darin sind folgende Aufgaben und Leitsätze definiert:

_   Wohlstand verbreiten und sichern

_   Zugänglichkeit, Unabhängigkeit und Innovation

_   Profitabilität

_   Finanzielle Bildung

_   Es zählen die Menschen

_   Der Zivilgesellschaft dienen

_   Transparenz, Stabilität, Einfachheit