Bericht des Aufsichtsrats

Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre,

in einem von geopolitischen und handelspolitischen Spannungen geprägten Geschäftsjahr war die Erste Group in ihren bisherigen sieben Kernmärkten in Zentral- und Osteuropa sehr erfolgreich. Einmal mehr machte sich die Positionierung in der wachstumsstärksten Region Europas bezahlt. Die Kundenkredite stiegen im Jahresverlauf um 6,4 % bzw. fast EUR 14 Mrd auf EUR 232 Mrd.

Mit dem erfolgreichen Abschluss der im Mai 2025 angekündigten Akquisition eines 49%-Anteils an der Santander Bank Polska wurde im Jänner 2026 Europas größte grenzüberschreitende Bankenakquisition der letzten 20 Jahre vollzogen. Dadurch verfügt die Erste Group über eine kontrollierende Beteiligung an Polens drittgrößter Bank nach Bilanzsumme und stärkt ihre Position als führende Finanzinstitution in Zentral- und Osteuropa, wo wir nun etwa 23 Millionen Kundinnen und Kunden betreuen.

Um einen optimalen Kundenservice zu bieten und die Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern, setzt die Erste Group konsequent auf innovative Technologien. Der Aufsichtsrat hat die Fortschritte bei der unternehmensweiten Implementierung künstlicher Intelligenz intensiv begleitet. Die langfristige Stärkung der finanziellen Gesundheit unserer Kundinnen und Kunden bleibt ein zentraler Schwerpunkt. Dabei werden etwa Unternehmen bei der Transformation ihrer Geschäftsmodelle, bei zukunftsgerichteten Investitionen und ihrem Wachstum unterstützt. Auch hier werden innovative digitale Lösungen eingesetzt, beispielsweise eine Working Capital Simulation. Nachhaltigkeit, soziales Engagement und grüne Transformation bleiben elementare Bestandteile der Unternehmensstrategie. 

Die erfolgreiche Entwicklung der Erste Group wird maßgeblich von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern getragen, die auch als Aktionärinnen und Aktionäre am Unternehmenserfolg teilhaben können. 2025 verzeichnete das Mitarbeiterbeteiligungsprogramm „WeShare by Erste Group“ mit rund 37.000 Teilnehmenden erneut hohe Akzeptanz. Sie erhielten rund 800.000 Erste Group-Aktien, der Stimmrechtsanteil der Erste Mitarbeiterbeteiligung Privatstiftung stieg auf 1,78 %.

Der Aufsichtsrat der Erste Group durchlief 2025 einen bedeutenden Erneuerungsprozess. Friedrich Rödler schied nach lang-jähriger Tätigkeit als Mitglied und Vorsitzender mit Abschluss der ordentlichen Hauptversammlung am 21. Mai aus. Mariana Kühnel legte ihr Mandat bereits am 24. März zurück. In der Hauptversammlung erfolgte die Wiederwahl von Alois Flatz, Gabriele Semmelrock-Werzer und ich wurden neu in den Aufsichtsrat gewählt. In der konstituierenden Sitzung im Anschluss wählte mich der Aufsichtsrat zu seinem neuen Vorsitzenden. Es ist mir eine große Ehre und Freude, diese verantwortungsvolle Aufgabe in dieser spannenden Phase der Unternehmensentwicklung wahrzunehmen. Ich danke Ihnen, sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre, für das mir entgegengebrachte Vertrauen. 

Den ausgeschiedenen Aufsichtsratsmitgliedern danke ich für ihr Engagement und ihre wertvollen Beiträge. Mein besonderer Dank gilt meinem Vorgänger Friedrich Rödler. Über mehr als 20 Jahre, davon 13 Jahre als Vorsitzender, hat er die Arbeit des Aufsichts-rats mit außerordentlicher Kompetenz, Weitsicht und beeindruckender Tatkraft geprägt. Persönlich möchte ich Friedrich Rödler auch für die außergewöhnliche Unterstützung danken, die er mir während meines Onboardings entgegengebracht hat.

Zum Jahresende umfasste der Aufsichtsrat achtzehn Mitglieder: Zwölf von den Aktionärinnen und Aktionären gewählte Kapitalvertreterinnen und Kapitalvertreter sowie sechs vom Betriebsrat entsandte Arbeitnehmervertreterinnen und Arbeitnehmervertreter. Gemeinsam bringen die Mitglieder des Aufsichtsrats umfangreiche Erfahrungen aus unterschiedlichsten Wirtschaftsbereichen sowie breit gefächerte fachliche Kenntnisse, internationale Erfahrung und vielfältiges praktisches Wissen ein. Ende 2025 lag der Anteil des unterrepräsentierten Geschlechts im Aufsichtsrat bei 44 Prozent. In der Erste Group betrifft dies die Männer. Damit erfüllen wir nicht nur die gesetzlichen Anforderungen, sondern übernehmen im ATX eine Vorbildfunktion.

Bezüglich der Zusammensetzung und Unabhängigkeit des Aufsichtsrats sowie der Kriterien für die Unabhängigkeit verweise ich auf den vom Vorstand aufgestellten und vom Aufsichtsrat geprüften konsolidierten Corporate Governance-Bericht. Gleiches gilt für Details zur Arbeitsweise des Aufsichtsrats, zur Anzahl und Art der Ausschüsse und deren Entscheidungsbefugnisse. Auch die Sitzungen des Aufsichtsrats und die Schwerpunkte seiner Tätigkeit sind dort ausführlich dargestellt.  

Die Arbeit des Aufsichtsrats spiegelt sich in der Anzahl und Qualität der Sitzungen wider. Im Geschäftsjahr 2025 trat der Aufsichtsrat der Erste Group Bank AG zu insgesamt acht Sitzungen zusammen. Im Plenum und in den Ausschusssitzungen wurde der Aufsichtsrat vom Vorstand zeitnah und umfassend informiert. Durch die erhöhte Anzahl an Sitzungen, vor allem des Strategieausschusses, und die umfassende Berichterstattung des Vorstands zur Akquisition in Polen ist der Aufsichtsrat seiner Beratungs- und Überwachungsfunktion umfassend nachgekommen. Die überwiegende Mehrheit der Mitglieder des Aufsichtsrats nahm an allen Sitzungen des Plenums und der jeweiligen Ausschüsse teil. 

Fortgesetzt wurde der bewährte Dialog zwischen dem Aufsichtsratsvorsitz sowie den Leitungen des IT-Ausschusses, des Risikoausschusses und des Prüfungsausschusses mit Vertreterinnen und Vertretern des Joint Supervisory Teams (JST) der Europäischen Zentralbank, der Oesterreichischen Nationalbank und der Finanzmarktaufsicht. 

Darüber hinaus widmete sich der Aufsichtsrat gemäß Regel 36 des Österreichischen Corporate Governance Kodex der Beurteilung der Effektivität seiner Tätigkeit, seines organisatorischen Gefüges und der eingesetzten Arbeitsprozesse und führte dazu eine Selbstbewertung mit Unterstützung externer Begleitung durch. Die daraus resultierenden Erkenntnisse führten zu konkreten Weiterentwicklungsmaßnahmen. Der bisherige Exekutivausschuss wurde in einen Lenkungs- und Koordinationsausschuss übergeleitet, um die Steuerung komplexer Themen effizienter zu gestalten. Die Umsetzung der strategischen Initiativen wurde regelmäßig erörtert und begleitet. Zudem kamen die Mitglieder des Aufsichtsrats ihren funktionsbezogenen Verpflichtungen zur Schulung und Qualifizierung nach. Schwerpunkte der internen und externen Weiterbildungsmaßnahmen waren ESG, Digitalisierung und nachhaltige Finanzierungen. Darüber hinaus befassten wir uns mit möglichen Eigengeschäften von Organen und Führungskräften.

Die Zusammenarbeit mit dem Vorstand war während des gesamten Jahres 2025 äußerst konstruktiv und von hoher Qualität geprägt. Besonders hervorheben möchte ich die intensive erfolgreiche Zusammenarbeit im Rahmen der Akquisition in Polen.

Erstmals fand im Jahr 2025 die ordentliche Hauptversammlung der Erste Group Bank AG am Erste Campus statt. Beschlossen wurde eine Dividende von EUR 3,00 je Aktie, die am 28. Mai 2025 zur Auszahlung kam. Der Vorstand wurde bis November 2027 ermächtigt, eigene Aktien bis zu 10 % des Grundkapitals für den Wertpapierhandel zu erwerben. Ebenso erhielt er die Ermächtigung, eigene Aktien bis zu 10% des Grundkapitals zu erwerben und mit Zustimmung des Aufsichtsrats das Grundkapital durch Einziehung dieser Aktien zu verringern.

Jahresabschluss und Lagebericht sowie Konzernabschluss und Konzernlagebericht für das Jahr 2025 wurden vom Sparkassen-Prüfungsverband als gesetzlich vorgesehenem Prüfer sowie von der zum zusätzlichen Abschlussprüfer gewählten PwC Wirtschaftsprüfung GmbH geprüft und mit einem uneingeschränkten Bestätigungsvermerk versehen. Nach sorgfältiger und eigenständiger Prüfung hat sich der Aufsichtsrat den Ergebnissen der Abschlussprüfungen angeschlossen und dem Vorschlag des Vorstands zur Gewinnverwendung für das Geschäftsjahr 2025 seine Zustimmung erteilt. Die PwC Wirtschaftsprüfung GmbH wurde auch mit der freiwilligen Prüfung des konsolidierten Corporate Governance-Berichts 2025 beauftragt.

Der Jahresabschluss wurde vom Aufsichtsrat gebilligt und gilt damit gemäß § 96 Abs. 4 Aktiengesetz als festgestellt. Lagebericht, Konzernabschluss, Konzernlagebericht, Nachhaltigkeitserklärung und der konsolidierte Corporate Governance-Bericht wurden vom Aufsichtsrat ebenfalls geprüft. Auf Grundlage der vorgelegten Prüfberichte wurden diese zustimmend zur Kenntnis genommen. Gemäß der gesetzlichen Rotationspflicht hat die Erste Group Bank AG nach zehn Jahren einen neuen Konzernabschlussprüfer auszuwählen. Der Prüfungsausschuss leitete den Ausschreibungsprozess. Der Aufsichtsrat beschloss am 
11. Dezember 2025, der ordentlichen Hauptversammlung im April 2026 die Ernst & Young Wirtschaftsprüfungsgesellschaft m.b.H. als zusätzlichen Abschlussprüfer – neben dem Sparkassen-Prüfungsverband – sowie als Prüfer der Nachhaltigkeitserklärung für das Geschäftsjahr 2027 vorzuschlagen.

Mit dem positiven Abschluss des Geschäftsjahres 2025 richtet sich unser Blick nach vorne. Die erfolgreiche Akquisition in Polen, die solide Kapitalposition und die Weiterentwicklung unserer strategischen Initiativen bilden eine gute Grundlage für weiteres profitables Wachstum. Der Aufsichtsrat wird den Vorstand auch künftig eng begleiten und die notwendigen Weichenstellungen für den langfristigen Erfolg der Erste Group unterstützen. Gleichzeitig wird er seiner Kontrollverpflichtung mit der gebotenen Unabhängigkeit und Sorgfalt nachkommen.

Im Namen des gesamten Aufsichtsrats möchte ich zum Abschluss unseren Dank an den Vorstand und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Erste Group aussprechen. Mit großem Engagement und trotz der zusätzlichen Belastung durch die Akquisition in Polen sind sie in diesem herausfordernden Jahr verlässlich an der Seite unserer Kundinnen und Kunden gestanden. Unsere neuen Kolleginnen und Kollegen in Polen heißen wir herzlich willkommen und freuen uns auf die gemeinsame Zukunft und Zusammenarbeit.

Für den Aufsichtsrat

Gottfried Haber e.h. 

Vorsitzender des Aufsichtsrats

Wien, im Februar 2026

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