Für 2026 hat sich die Erste Group das Ziel gesetzt, eine Eigenkapitalverzinsung (ROTE) von circa 19% zu erwirtschaften und den Gewinn je Aktie um mehr als 20% zu steigern. Dazu wird der um Einmaleffekte bereinigte Nettogewinn 2025 mit dem Nettogewinn 2026 verglichen, welcher ebenfalls um außerordentliche Posten im Zusammenhang mit dem Erwerb und der Erstkonsolidierung der Erste Bank Polska bereinigt wurde. Diese Zielsetzung beruht auf den folgenden Prämissen:
Zunächst wird erwartet, dass sich das Geschäft der Erste Group in ihren zum Jahresende 2025 bestehenden sieben Kernmärkten (Österreich, Tschechien, Slowakei, Rumänien, Ungarn, Kroatien und Serbien), gestützt durch ein verbessertes makroökonomisches Umfeld, weitgehend stabile Zinsen, insbesondere in der Eurozone, stabile Margen und ein gesundes Wachstum des Kreditvolumens von mehr als 5%, gut entwickeln wird. Die Geschäftsentwicklung gemessen am Betriebsergebnis (Betriebserträge minus Betriebsaufwendungen) sollte sich gegenüber dem Vorjahr verbessern, da der Zinsüberschuss um etwa 5% steigen sollte, der Provisionsüberschuss um mehr als 5% weiterwachsen sollte, das Handels- und Fair Value-Ergebnis einen ähnlichen Beitrag wie 2025 leistet und die Betriebsaufwendungen um etwa 3% steigen. Damit sollte sich die Kosten-Ertrags-Relation von 48% im Jahr 2025 auf rund 47% im Jahr 2026 verbessern. Der sonstige betriebliche Erfolg wird sich nach einigen im Jahr 2025 verzeichneten positiven Einmaleffekten in Höhe von EUR 270 Mio voraussichtlich normalisieren und sich eher wie die auch in diesem Posten verbuchten Bankenabgaben entwickeln. Die Risikokosten sollten mit 20 bis 25 Basispunkten auf einem ähnlich günstigen Niveau liegen wie 2025.
Weiters sind außerordentliche Effekte aufgrund der Vollkonsolidierung der Erste Bank Polska vor allem im Zinsüberschuss, bei den Betriebsaufwendungen und bei den Risikokosten zu erwarten. Der Zinsüberschuss wird in Höhe von rund EUR 170 Mio (dies entspricht einem Effekt auf den Nettogewinn von rund EUR -60 Mio) negativ beeinflusst, was auf die Abschreibung von Fair Value-Zuschreibungen bei Schuldverschreibungen und Derivaten zurückzuführen ist. Darüber hinaus wird der auf den Kaufpreis im Jahr 2025 erlöste Zinsertrag 2026 wegfallen. Die Betriebsaufwendungen werden durch die Abschreibung von immateriellen Vermögenswerten (Kundenbestand und Marke) und die Verbuchung von Integrationskosten belastet werden. Der Kundenstock wird über 10 Jahre um jährlich rund EUR 210 Mio abgeschrieben werden (Auswirkung auf Nettogewinn rund EUR -70 Mio), während die Marke nach dem Rebranding zur Gänze in 2026 abgeschrieben wird (EUR 30 Mio brutto bzw. EUR ~10 Mio netto). Die restlichen Integrationskosten – prognostiziert werden EUR 180 Mio brutto – werden zum Großteil 2026 verbucht werden. Der entsprechende Nettoeffekt wird von der erst festzulegenden Kostenaufteilung zwischen der Muttergesellschaft und der lokalen Bank abhängig sein. In den Risikokosten wird sich eine Belastung von EUR 300 Mio niederschlagen (Effekt auf Nettogewinn circa EUR -120 Mio), die sich nach der gemäß IFRS 3 im Zuge der Erstkonsolidierung vorgenommenen Fair Value-Bewertung aller Aktiva und Passiva aus den gemäß IFRS 9 erwarteten Kreditverlusten im polnischen Portfolio ergibt. Diese Belastung ist kein Hinweis auf eine Verschlechterung der Portfolioqualität.
Schlussendlich erwartet die Erste Group mit nunmehr acht Kernmärkten, also unter Berücksichtigung des organischen Wachstums sowie des Beitrags der Erste Bank Polska, einschließlich außerordentlicher Effekte aus der Erstkonsolidierung, 2026 insgesamt einen Zinsüberschuss von mehr als EUR 11 Mrd, einen Provisionsüberschuss von etwa EUR 4 Mrd und Betriebsaufwendungen von circa EUR 7 Mrd. Damit sollte sich die Kosten-Ertrags-Relation auf etwa 45% verbessern. Die Risikokosten werden im Bereich von 25 bis 30 Basispunkten der durchschnittlichen Bruttokundenkredite erwartet, da Risikokosten in Polen eher etwas höher liegen als in anderen CEE-Märkten. Diese Prognose ist um die oben genannte einmalige Vorsorge für erwartete Kreditverluste in Höhe von EUR 300 Mio bereinigt. Der ausgewiesene Nettogewinn der Erste Group wird mit etwas unter EUR 4 Mrd prognostiziert, der um außerordentliche Posten im Zusammenhang mit der Erstkonsolidierung von Erste Bank Polska bereinigte Nettogewinn wird bei etwas über EUR 4 Mrd erwartet.
Die Erstkonsolidierung der Erste Bank Polska sollte in einem Rückgang der CET1-Quote von circa 460 Basispunkten resultieren und damit im ersten Quartal 2026 zu einem Absinken der CET1-Quote, wenngleich vom zum Jahresende 2025 verzeichneten historischen Höchststand von 19,3%, führen. Es wird erwartet, dass die CET1-Quote 2026 entsprechend der prognostizierten starken Gewinnentwicklung danach wieder ansteigt und damit wieder Flexibilität hinsichtlich Ausschüttungen beziehungsweise M&A-Transaktionen nach sich ziehen sollte. Da der Kauf der Erste Bank Polska zur Gänze aus Eigenmitteln finanziert wurde, was 2025 eine stärkere Gewinneinbehaltung erforderlich macht, wird der Vorstand der Erste Group der Hauptversammlung eine reduzierte Dividendenzahlung von EUR 0,75 je Aktie vorschlagen. Dies entspricht nach Abzug von AT1-Dividenden einer Ausschüttungsquote von 9,1% des Nettogewinns 2025 und damit der 2025 verfolgten Dividendenpolitik, die Ausschüttungsquote, wie zum Zeitpunkt des Kaufes angekündigt, auf maximal 10% zu beschränken.
Zu potenziellen Risiken für die Prognose zählen (geo-)politische und volkswirtschaftliche Entwicklungen (etwa auch Auswirkungen von Geld- und Fiskalpolitik), regulatorische Maßnahmen sowie Veränderungen im Wettbewerbsumfeld. Die aktuellen internationalen (militärischen) Konflikte haben keine direkten Auswirkungen auf die Erste Group, da sie nicht in den betroffenen Regionen tätig ist. Indirekte Effekte, wie etwa Volatilität an den Finanzmärkten, Auswirkungen von Sanktionen, Unterbrechungen der Lieferketten oder Eintritt von Einlagensicherungs- oder Abwicklungsfällen, können jedoch nicht ausgeschlossen werden. Die Erste Group ist zudem nichtfinanziellen und rechtlichen Risiken ausgesetzt, die unabhängig vom wirtschaftlichen Umfeld schlagend werden können. Eine schlechter als erwartete Wirtschaftsentwicklung kann auch eine Goodwill-Abschreibung erforderlich machen.