Brief des Vorstandsvorsitzenden

Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre,

2025 war ein besonderes und sehr erfolgreiches Jahr für die Erste Group. Lassen Sie mich mit dem Markteintritt in Polen beginnen, einem der dynamischsten und profitabelsten Bankenmärkte Europas. Im Mai haben wir den Kauf des beherrschenden Anteils von 49% an der drittgrößten Bank Polens angekündigt. Am 9. Jänner 2026 schlossen wir den Kauf ab, die Integration verläuft wie geplant, und bereits im ersten Halbjahr wird die Bank in Erste Bank Polska umbenannt. Mit dieser Akquisition ist es uns gelungen, unsere Position als führendes Kreditinstitut in Zentral- und Osteuropa mit erfolgreichen lokalen Banken in nun acht Kernmärkten – Österreich, Polen, Tschechien, Slowakei, Rumänien, Ungarn, Kroatien und Serbien – zu festigen. Wir haben unser Wachstumspotenzial erhöht, werden langfristig die Profitabilität der Erste Group verbessern und damit die Ausschüttungs- fähigkeit, was nicht zuletzt zu attraktiveren Renditen für Sie, unsere Aktionärinnen und Aktionäre, führen sollte. 

Die Entwicklung des Aktienkurses der Erste Group seit der Ankündigung im Mai 2025 ist ein klares Indiz, wie positiv diese Akquisition – die größte am europäischen Bankenmarkt seit vielen Jahren – von unseren Investoren aufgenommen wurde. Das positive Feedback von vielen Seiten, neben Eigenkapitalinvestoren auch von Fremdkapitalinvestoren und Ratingagenturen, auf die Investition in Wachstum in unserer Region, bestärkt uns in der konsequenten Verfolgung unseres Geschäftsmodells.

Über die Zukunftsperspektive hinaus gibt es auch hinsichtlich der Entwicklung der Erste Group vor der Erweiterung viel Positives zu berichten. In den bisherigen sieben Kernmärkten verzeichneten wir im Geschäftsjahr 2025 eine hervorragende Geschäftsentwicklung. Wir haben alle – im Lauf des Jahres angehobenen – Ziele erreicht, insgesamt erwirtschaftete die Erste Group einen Nettogewinn von EUR 3.510 Mio, ein Plus von 12,3% gegenüber dem Vorjahr und eine Eigenkapitalverzinsung (ROTE) von 16,6%. 

Wirtschaftswachstum in den Kernmärkten 

Bevor ich zu den Details komme, zunächst ein kurzer Überblick zum Geschäftsumfeld: Die CEE-Volkswirtschaften erzielten BIP-Wachstumsraten, die zwischen 0,4% in Österreich sowie Ungarn und 3,0% in Kroatien lagen (3,6% in Polen). Gestützt wurde das Wirtschaftswachstum durch robuste Arbeitsmärkte und meist höhere Reallöhne – sowie vor allem durch den Konsum der privaten Haushalte. Auch die österreichische Wirtschaft entwickelte sich etwas besser als ursprünglich erwartet und konnte nach zwei Rezessionsjahren 2025 wieder moderates Wachstum erreichen. Dieses wurde in erster Linie von gestiegenem Konsum, Staatsausgaben und einer Stabilisierung der Investitionstätigkeit getrieben. Die Inflationsraten bewegten sich in unserer Region im niedrigen bis mittleren einstelligen Bereich. Die Europäische Zentralbank (EZB) senkte ihren Leitzinssatz im Jahresverlauf in vier Schritten von 3,00% auf 2,00%. Die tschechische und die polnische Zentralbank führten im Jahresverlauf weitere Zinssenkungen durch, während die Zentralbanken Ungarns, Rumäniens und Serbiens ihre Leitzinsen unverändert beließen. Damit blieb das Zinsumfeld insgesamt für das Bankgeschäft vorteilhaft.

Exzellentes Betriebsergebnis 

Wie wirkten sich diese Rahmenbedingungen auf unser Ergebnis aus? Die beiden wichtigsten Einnahmenkomponenten wiesen erneut Zuwächse auf: Der Zinsüberschuss stieg um 3,5% auf EUR 7.788 Mio, was weit über den Erwartungen zu Beginn des Jahres lag. Am stärksten fiel der Anstieg in Tschechien und der Slowakei aus. Besonders erwähnenswert ist, dass wir die Zinsspanne trotz der sinkenden Marktzinsen nahezu stabil halten konnten. Unterstützend wirkte sich neben gesundem Kreditwachstum auch der gute Einlagenmix aus. Gleichzeitig erreichte der Provisionsüberschuss 2025 mit EUR 3,2 Mrd ein neues Rekordniveau. Der Anstieg von 8,6% ist umso bemerkenswerter, als die Ausgangsbasis aufgrund des starken Wachstums der letzten Jahre bereits hoch war. Zuwächse konnten in allen Kernmärkten erzielt werden, erneut entwickelte sich das Wertpapiergeschäft (inkludiert auch die Vermögensverwaltung) besonders gut. Insgesamt haben wir Betriebserträge von EUR 11,7 Mrd erwirtschaftet und lagen damit um 4,3% über dem Vorjahr. Die Betriebskosten sind im Rahmen unserer Erwartungen um 5,8% auf EUR 5,6 Mrd gestiegen. Der Inflationsdruck ging etwas zurück und wirkte sich vor allem in Österreich auf kollektivvertragliche Gehaltsverhandlungen aus, der Personalaufwand stieg auf EUR 3,3 Mrd. Neben Investitionen in IT (inklusive einiger strategischer Initiativen vor allem in Effizienz) möchte ich auch bereits verbuchte Integrationskosten in Polen gesondert erwähnen. Das starke operative Ergebnis spiegelte sich in einer für unser Geschäftsmodell exzellenten Kosten-Ertrags-Relation von 47,9% wider. Eine Position der G&V verdient heuer mehr Aufmerksamkeit als sonst, und zwar der sonstige betriebliche Erfolg: Positive Einmaleffekte von insgesamt etwa EUR 270 Mio aus der Auflösung von Rückstellungen für Rechtsfälle und aus Gebäudeverkäufen verbesserten diese Position und trugen ebenfalls deutlich zum exzellenten Jahresergebnis bei, da sie einen Teil des mittlerweile für eine Bank leider typischen Kostenblocks der regulatorischen Kosten kompensierten. Die Zahlungen in Abwicklungsfonds und Einlagensicherungssysteme gingen mit knapp unter EUR 70 Mio zurück, während die Banken- und Transaktionssteuern in vier betroffenen Ländern auf etwa EUR 440 Mio stiegen. 

Risikokosten wie erwartet weiterhin auf niedrigem Niveau

Die Kreditrisikoqualität in unseren Kernmärkten war weiterhin sehr zufriedenstellend, die NPL-Quote verbesserte sich Ende 2025 auf 2,4%. Die Risikokosten blieben mit EUR 478 Mio – das entspricht einer Wertberichtigungsquote (auf durchschnittliche Bruttokundenkredite) von 21 Basispunkten – auf moderatem Niveau. Neben der guten Kreditqualität wirkten sich Auflösungen von Vorsorgen im Zusammenhang mit der Aktualisierung der zukunftsgerichteten makroökonomischen Annahmen (FLIs) oder für Kreditrisiken auf kollektiver Basis positiv aus, wenn auch in geringerem Ausmaß als im Vorjahr. Erneut schnitten die CEE-Kernmärkte besser ab als Österreich, allerdings hat sich auch in Österreich die Kreditqualität stabilisiert und der Wertbe-richtigungsbedarf ist sowohl bei den Sparkassen als auch bei der Erste Bank Oesterreich zurückgegangen.

Gesundes organisches Kreditwachstum und solide Einlagenbasis

Das bewährte Geschäftsmodell der Erste Group ermöglichte 2025 organisches Kreditwachstum von 6,4%, am dynamischsten fiel der Anstieg in Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Kroatien aus. Vor allem die starke Nachfrage nach Hypothekarkrediten in fast allen Ländern führte zu einem Plus von 9,3% der Nettokredite im Retailgeschäft. Der Anstieg im Firmenkundengeschäft war mit 5,0% vergleichsweise noch etwas verhaltener. Ungebrochen war der Zufluss an Kundeneinlagen, diese stiegen um 4,7%, erfreulich blieben mit einem Plus von 5,5% die Kerneinlagen von Privatkunden, KMUs und Sparkassenkunden. Der Fokus hat sich wieder auf Sichteinlagen gerichtet. Das Kredit-Einlagen-Verhältnis lag Ende Dezember bei 91,7%. Erfolgreich war auch die Refinanzierungstätigkeit am Kapitalmarkt: Die Holding und mehrere Tochtergesellschaften in den CEE-Ländern haben Emissionen in verschiedenen Asset-Klassen begeben und erfolgreich sowohl lokal als auch international platziert.

Deutliche Verbesserung der Harten Kernkapitalquote (CET1)

Während des Jahres stieg die CET1-Quote um mehr als 400 Basispunkte auf den historischen Höchststand von 19,3%. Die Basis für den Anstieg des Harten Kernkapitals, also des regulatorischen Kapitals, um mehr als 18% war die starke Rentabilität des Geschäfts-jahres, ergänzt durch eine Kombination von Maßnahmen, insbesondere die Limitierung der Dividendenausschüttung auf maximal 10% des Nettogewinns abzüglich der AT1-Dividende – der Vorstand wird der Hauptversammlung eine Dividende von EUR 0,75 pro Aktie vorschlagen – und die Streichung des angekündigten Aktienrückkaufprogramms. Damit konnte die Erste Group die Akquisition vollumfänglich intern finanzieren und ist bestens für die erstmalige Konsolidierung der Erste Bank Polska vorbereitet.

Digitalisierung

Bevor ich zum Ausblick 2026 komme, noch ein kurzes Update zum Thema Digitalisierung. Während einige der IT-Investitionen 2025 auf bankinterne Abläufe und damit Effizienz abzielten, kam auch die Weiterentwicklung der technologiegestützten Finanz-beratung nicht zu kurz. Ende Dezember nutzten mehr als 11,4 Mio Nutzerinnen und Nutzer unsere digitale Plattform George, insgesamt wurden bereits mehr als zwei Drittel der Produkte im Privatkundengeschäft digital verkauft. 

Erwartungen für 2026

Die Aussichten für die neue, mit Polen auf acht Kernmärkte erweiterte Erste Group für das Geschäftsjahr 2026 sind sehr gut: Wir erwarten auf Basis eines vorteilhafteren Wirtschaftswachstums zwischen 1% und 4% einen Anstieg des Kreditvolumens auf über EUR 285 Mrd, einen Zinsüberschuss von mehr als EUR 11 Mrd, einen Provisionsüberschuss von etwa EUR 4 Mrd und Betriebs-aufwendungen von circa EUR 7 Mrd. Damit sollte sich die Kosten-Ertrags-Relation auf etwa 45% verbessern. Wir rechnen mit Risikokosten im Bereich von 25 bis 30 Basispunkten, da Risikokosten in Polen eher etwas höher liegen als in anderen CEE-Märkten. Diese Prognose inkludiert nicht die einmalige Vorsorge für erwartete Kreditverluste in Höhe von EUR 300 Mio aufgrund von IFRS-Erfordernissen bei der Erstkonsolidierung. Der ausgewiesene Nettogewinn der Erste Group wird mit etwas unter EUR
4 Mrd prognostiziert. Weitere Details zu Sondereffekten, bedingt durch die Erstkonsolidierung der Erste Bank Polska, finden Sie im kompletten Ausblick im Kapitel Geschäftsüberblick. Weiters erwarten wir, dass die CET1-Quote 2026 entsprechend der prognostizierten starken Gewinnentwicklung nach dem Rückgang bei der Erstkonsolidierung wieder ansteigt und damit Handlungsspielraum hinsichtlich Kapitalallokation besteht, d.h. wir gehen von Flexibilität hinsichtlich zukünftiger Ausschüttungen beziehungsweise M&A-Transaktionen aus. An erster Stelle steht dabei auch zukünftig Wachstum in unserer Region, also die Kreditvergabe an Private und Unternehmen. 

Ich möchte mich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihren persönlichen Einsatz bedanken. Gemeinsam arbeiten wir daran, im Sinne des Unternehmenszwecks der Erste Group – Wohlstand und finanzielle Gesundheit zu fördern – unsere nunmehr 22,7 Millionen Kundinnen und Kunden in allen Finanzfragen zu unterstützen. Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit unseren polnischen Kolleginnen und Kollegen unsere Position als führendes Kreditinstitut in Zentral- und Osteuropa zu stärken und weiter auszubauen. 

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